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Wikifizieren für Anfänger: Tipps & Tricks vom Wikipedia-Profi

Wikipedia ist eine Mitmach-Enzyklopädie: Millionen Autoren haben seit der Gründung im Jahr 2001 zum Erfolg des Projekts beigetragen. Mehrere tausend ständige Beiträger zählt alleine die deutsche Wikipedia, von der Anzahl der Artikel her mittlerweile die drittgrößte weltweit. Seit 2007 – dem „verflixten siebenten Jahr“ -- gab es allerdings einen spürbaren Rückgang neuer Wikipedianer. Doch nicht nur das. Neue Autoren hören auch immer schneller wieder auf, oft ganz einfach frustriert von der Löschung „irrelevanter“ Inhalte durch Administratoren. Wikipedia ist eine nun mal eine Community mit eigenen Regeln. Doch wie schreibt man so, das man bleibt? Ziko van Dijk hat einen Ratgeber zur deutschsprachigen Wikipedia veröffentlicht, der zeigt, wie man es richtig macht. Auf der Wikimedia-Konferenz in Utrecht sprach E-Book-News mit dem Autor.

“Jeder darf mitschreiben“ -- doch es gibt Hürden

„Jeder darf mitschreiben. Dennoch hat sich gezeigt, dass viele, die sich beteiligen möchten, auf schwer überwindliche Hürden stoßen. Bearbeitungen von Neulingen werden von erfahreneren Wikipedianern oftmals rückgängig gemacht“, umreißt Ziko van Dijk im Vorwort zu „Wikipedia. Wie Sie zur freien Enzyklopädie beitragen“ das grundsätzliche Problem. Doch zunächst einmal wollten wir vom niederländischen Wikimedia-Vorsitzenden wissen, was eigentlich erfolgreiche Wikipedia-Autoren motiviert: „Ich habe kürzlich den Artikel Verfassung der Niederlande geschrieben, ungefähr 30 Seiten lang. Wenn ich damit zu einem Verleger gegangen wäre, der hätte mich ausgelacht. Was soll man damit machen? In der Wikipedia wird das angenommen, es gibt andere Leute, die Fehler verbessern können, und man hat dann doch ein paar hundert Leser pro Monat.“ Der im niederländischen Silvolde lebende deutsche Historiker van Dijk schreibt in der niederländischen Wikipedia über deutsche Themen, und umgekehrt in der deutschen Version über niederländische Themen (siehe auch seine Profile bei de.wikipedia.org bzw. nl.wikipedia.org). Die Position zwischen den Kulturen scheint auch deutliche Vorteile zu bieten: „Das heißt, dass es dann jeweils weniger Leute sind, die mich korrigieren können oder mir auf die Nerven gehen können.“

Viel Kritik, viel zu wenig Lob

Ziko van Dijk gibt seine Erfahrungen beim Schreiben von Wikipedia-Artikeln auch als Mentor weiter, zusammengefasst hat er sie neben einem Wikibook nun in seinem bei Open Source Press herausgegebenen Ratgeber. „Es ist eine Gebrauchsanweisung, zugleich aber auch ein Lehrbuch, das mit Übungen arbeitet, und von kleinauf erklärt, für Anfänger, die in der Wikipedia ein bisschen substantieller beitragen wollen.“ Anders als beim Bloggen etwa könne man in der Online-Enzklopädie nicht einfach alles so schreiben, wie man will: „In der Wikipedia gibt es unheimlich viele Regeln, ich habe mal die Regeln der deutschen Wikipedia zusammengetragen, dabei sind mehr als 1000 Seiten herausgekommen. Die wichtigen Regeln sind oft aber auch ein bisschen versteckt. Da ist ein Lehrbuch dann ganz sinnvoll, um etwa zu erklären, was verstehen wir unter Neutralität. Wir wollen keine Reklame, auch nicht für eine Non-Profit-Organisation. Wir arbeiten zusammen an Artikeln, da muss ich also einiges beachten, um anderen nicht auf die Füße zu treten. Wenn man das berücksichtigt, hat man eigentlich kaum noch Probleme.“ Kritisiert und gelöscht wird viel, gelobt dagegen eher weniger. „Feedback – da sind wir ganz schlecht drin. Aber es gibt intern Auszeichnungen, wenn man einen Artikel sehr gut gemacht hat, bekommt man ein „Lesenswert“ oder „Exzellent“, das ist mir auch schon ein, zwei mal gelungen.“

Hinter den Kulissen

In seinem Wikipedia-Lehrbuch führt Ziko van Dijk den Adepten Schritt für Schritt an die Grundlagen und Regeln der Community heran, beginnend mit der Wikipedia-Gründungsgeschichte und der Bedeutung „freier“ Inhalte. Einen guten Einblick bekommt man im zweiten Kapitel dann auch von der Wikipedia-Hierarchie – über die sich viele Neulinge erstmal wundern. „So transparent und niedrigschwellig, wie die meisten Wikipedianer glauben, ist die Wikipedia hinter den Kulissen nicht“, warnt van Dijk gleich im Vorwort. Kennen sollte man auch Aufbau und grundsätzliche Logik des weltgrößten digitalen Lexikons, wozu etwa Aspekte wie die berüchtigte „Relevanz“ und die „Neutralität“ der Perspektive gehört. Auf dieser Grundlage geht es an dann an das Anlegen und Bearbeiten von Seiten. Dabei ist nicht nur der Wikipedia-spezifische Stil zu beachten, sondern auch der wikipedia-spezifische Aufbau eines Artikels. Van Dijk gibt ausführliche Tipps zum „Wikifizieren“ der eigenen Wikipedia-Beiträge, etwa durch Verlinkung, Kategorisierung oder das Anlegen von Tabellen. Ein eigenes Kapitel widmet das Lehrbuch dem Belegen von Inhalten, sei es durch Literatur oder Weblinks – denn wiederholte „Qualitätsoffensiven“ der Wikipedia bemühen sich darum, das präsentierte Wissen besser abzusichern. Abschließend geht es um das Einbinden von Bildern und anderen Medien in Wikipedia-Artikel, was durch das Schwesterprojekt Wikimedia Commons inzwischen erheblich einfacher geworden ist. „Vor fünf Jahren gab es noch so gut wie keine Bilder“, so Ziko van Dijk. „Dann haben wir mehr und mehr dazu aufgerufen, dass die Leute Fotos machen, und es gibt auch Partnerschaften etwa mit Institutionen wie dem Bundesarchiv, die dann Bilder freigebeben haben von Objekten oder Personen, die man heutzutage nicht mehr fotografieren kann.“

Ziko van Dijk,
Wikipedia. Wie Sie zur freien Enzyklopädie beitragen
Open Source Press (Paperback) 19,90 Euro
(z.Zt. leider noch nicht als E-Book erhältlich)

Abb. Seitenanfang: Wired-Grafik zum Thema „Edit Wars“ (flickr/Doublenout)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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