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Werbung in E-Books: Yahoo! meldet Patent für gesponserte Lektüre an

20 Apr 2012

Yahoo! und elektronische Bücher, das ergab bisher keinen Sinn. Doch nun hat das Internet-Unternehmen sich in den USA zwei Verfahren für Werbeblöcke in E-Books patentieren lassen. „An E-Book-Leser gerichtete Werbung hat bisher die technischen Möglichkeiten elektronischer Lektüre nicht ausreichend ausgeschöpft“, heißt es in der Patentschrift. Im Kern des neuen Ansatzes von Yahoo! steht deswegen die Staffelung des E-Book-Pricings je nach Intensität der geschalteten Anzeigen: „Mehr Werbung bedeutet Vorteile für den Anzeigenkunden, zugleich aber auch mehr Ablenkung für den Leser, und könnte deswegen zu höheren Rabatten führen“. Mit anderen Worten: dank Sponsoring würden E-Books billiger werden. Dabei soll der Leser immerhin bestimmen dürfen, mit welchen Formen von Reklame er beim Lesen konfrontiert wird, also etwa Hyperlinks im Text, grafische Banner oder Video- und Audio-Elemente. Auch an eine thematische Auswahl ist gedacht. Besonders spannend wird es, wenn man sich das volle Programm gönnt: „Höhere Anzeigenfrequenzen könnten ausreichend sein, um E-Books kostenlos zu erhalten“.

„Alle Männer dieses Buches rauchen“

Was im einzelnen beworben wird, soll aber zugleich vom Inhalt abhängen. Die Yahoo!-Patente setzen nämlich auch auf kontextsensitive Werbung. “Wenn es in einer Szene beispielsweise um einen jungen Charakter geht, könnte man eine Coca-Cola-Reklame platzieren, die mit der Abbildung eines Coke-Glases den Leser dazu einlädt, beim Lesen Coca-Cola zu trinken.“ Dabei soll auch die jeweilige Stimmung eine Rolle spielen. In einer romantischen Szene könnte somit etwa Werbung für Blumen ausgelöst werden. Gerade bei vernetzten Lesegeräten wäre zudem die Aktualisierung von Werbeinhalten möglich. Wirklich neu sind solche Ideen natürlich nicht – in der Gutenberg-Galaxis waren sie früher vor allem bei Taschenbüchern anzutreffen. So konnte man in der Nachkriegszeit in einer RoRoRo-Ausgabe von Hemingways Roman „Fiesta“ etwa lesen: „Alle Männer dieses Buches rauchen. Auch die reizende Lady Ashley, von ihren Freunden Brett genannt. Dies ermutigt uns, dem Raucher mit dem Wort FOX eine Zigarette zu nennen, deren Niveau dem eines guten Buches entspricht.“

Amazon zögert noch mit E-Book-Reklame

E-Reader sind ebenfalls keine werbefreien Zonen mehr. Amazon etwa bietet über ein Sponsoren-Modell Kindle-Reader an, bei denen Kunden bis zu 30 Dollar sparen können, wenn sie kommerzielle Screensaver und kleine Ad-Banner auf dem Homescreen in Kauf nehmen. Die E-Books selbst sind jedoch auch bei Amazon bisher wohl aus gutem Grund verschont geblieben – denn neben den Lesern könnte man mit einem solchen Tabubruch schließlich auch Autoren und Verlage abschrecken. Rein technisch ist das Unternehmen aber vorbereitet, einen entsprechenden Vorstoß von Yahoo! oder anderen Konkurrenten zu parieren: bereits 2009 hat Amazon nämlich selbst ein Patent veröffentlicht, das bei der Produktion von E-Books eine nachfragegesteuerte Kombination von Text-Layout und Werbung beschreibt. Realistischer bleibt am Ende vielleicht ein zeitgleich eingereichter Patentantrag von Amazon: er sieht das automatische Einfügen von Anzeigen in Print-On-Demand-Titel vor.

Via Good Ereader & BBC

Abb.: Fotomontage/Wikipedia