Krautinvestoren als Disruptoren: Flatrate-App Readfy sammelt 500.000 € Startkapital

Hello, Goodbye: „E-Book-Piraterie: die Crowd sagt ‚Tschööö!'“ – so warb Readfy seit Februar um die Gunst der Krautinvestoren. Um die für den Nutzer kostenlose Flatrate-Lese-App (E-Book-News berichtete) zu realisieren, setzt das Startup nicht nur auf Sponsoring, sondern auch auf Schwarmfinanzierung. Und die Crowd hat mehr als nur „Hallo“ gesagt – über die Plattform Companista kamen bis 24. März 2014 insgesamt 500.000 Euro Kapital zusammen. Einzelne Anteile konnte man dabei zum Preis von 5 Euro erwerben.

Für die deutsche Crowdinvestment-Szene eine nicht völlig ungewöhnliche, aber doch recht hohe Summe – im gesamten Jahr 2013 kamen hierzulande dem Portal fuer-gruender.de zufolge bei 66 finanzierten Projekten 19,7 Mio Euro zusammen, pro Finanzierung also durchschnittlich 290.000 Euro. Klassisches Crowdfunding brachte dagegen laut fuer-gruender.de im Jahr 2013 „nur“ knapp 5 Millionen Euro, hier lag die Projektkapitalisierung im Schnitt bei 3000 Euro. Einzelne Pre-Order-Kampagnen im Buchbereich wie etwa „Drachenväter“ erreichten aber durchaus Summen im fünfstelligen Bereich.

Die Flatrate-App Readfy spielt dagegen in einer ganz anderen Liga. Die Readfy-Gründer Felix Bauchspiess, Ryan David Mullins und Frank Großklaus wollen erklärtermaßen „die disruptive Kraft sein, die das Geschäftsmodell der Verlage auf eine neue Stufe stellt“. Die notwendigen Mittel dafür haben sie jetzt. Mit der Unterstützung von insgesamt 1.363 Krautinvestoren kann nicht nur die deutsche Version der Readfy-App durchstarten, für 2015 ist auch die Internationalisierung geplant.

Allerdings gibt’s in punkto kritische Masse noch mehr Zielmarken zu knacken als nur die Companista-Crowd. Zum Beispiel beim Content: Bereits zum Deutschland-Start von Readfy im Februar waren 15.000 Titel von über 120 Verlagen verfügbar, bis Jahresende sollen es 30.000 Titel sein. Das ist auch notwendig, denn ohne genügend Content bleibt die Crowd der Leser zu klein. Umgekehrt braucht man aber auch eine möglichst große Nutzerzahl, um Verlage zum Einsteigen zu motivieren.

Letztlich geht’s Readfy natürlich wie jedem Startup – ob am Ende eine Erfolgsstory herauskommt oder nur „Hello, Goodbye“, zeigt sich erst, wenn man etwas riskiert. Ungewöhnlich in diesem Fall ist allerdings: es sitzen nicht nur eine Handvoll Business Angels mit Risikokapital im Boot, sondern mehr als 1.000 überzeugte Schwarmfinanzierer, die ihr Geld bis zum 31.12.2021 festgelegt haben. Ob es wirklich so lange dauern wird, um die alte Gutenberg-Galaxis zu überwinden?

Abb.: Screenshot

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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