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„Wer elektronisch liest, rettet jedes Jahr einen ganzen Baum“

28 Mai 2013

Das Umwelt-Argument taucht bei der Diskussion pro & kontra elektronisches Lesen immer mal wieder auf. Nicht selten auch zu Marketing-Zwecken, wie etwa bei Stephen King, der zum Start von „Under The Dome“ verlauten ließ: „Für dieses Buch mussten eine Menge Bäume sterben.“ Wer sein Gewissen beruhigen wollte, konnte in diesem Fall auf die parallel erschienene E-Book-Version zurückgreifen. Gerne nutzen auch E-Reader-Hersteller die weiße Weste von E-Paper, um Leser zum Wechsel zu motivieren. Eine besonders ins Auge gehende Kampagne hat Sonys russische Dependance gestartet: auf den Plakaten/Anzeigen sind mächtige Bäume zu sehen, deren Stamm, Äste und Zweige aus lauter Büchern bestehen. Rein optisch erinnert das ein wenig an die Wormworld-Saga. Begleitet werden die Bücherbäume vom Claim: „Eine gebildeter Mensch liest jedes Jahr einen ganzen Baum aus Büchern. Wechseln Sie zu E-Books.“ („An educated person reads one tree of books per year. Switch to e-books.”) Die Kampagne lief offenbar schon im letzten Jahr in Russland, produziert von der Moskauer Agentur Dentsu-Smart.

Vergleichsmaßstab ist meist der C02-Fussabdruck

Um einen Bücherbaum von solcher Größe wegzulesen, müsste man wohl jeden Tag des Jahres im Studierzimmer verbringen. Aber völlig aus der Luft gegriffen sind solche Vergleiche natürlich nicht – wobei als Grundlage meistens die freigesetzte Menge Kohlendioxid genutzt wird. Als Faustformel kann man sagen, dass alleine für die Produktion des Papiers für ein 200-Seiten-Buch ungefähr ein Kilogramm CO2 in die Atmosphäre geblasen wird. Dazu kommen dann noch Druck, Lagerung und Transport. Herstellung und Betrieb eines E-Readers mit E-Ink-Displays sollen dagegen von der Wiege bis zur Bahre rund 25 Kilogramm C02 verursachen, so eine Schätzung des Öko-Instituts Freiburg. Es gibt z.B. für Amazons Kindle auch Schätzungen, die höher liegen, u.a., weil auch die Infrastruktur hinter dem Kindle-Store miteinberechnet wurde. Grundsätzlich gilt aber wohl: Vielleser, die mit ihrem Lesegerät mehrere Titel pro Monat verschlingen, dürften spätestens nach zwei bis drei Jahren in punkto CO2-Bilanz grüne Zahlen schreiben.

Auch Papier hat seine Vorteile

Allerdings nähert man sich zu diesem Zeitpunkt auch schon fast wieder dem Ende der Lebensdauer mobiler Gadgets – woran nicht nur die kurzen Produktions- und Innovationszyklen schuld sind, die zum Kauf neuer Modelle verleiten. Bei den meisten Geräten lässt sich der Akku nicht austauschen, sobald die Leistung nachlässt, wandern E-Reader genauso wie Tablets oder Smartphones in die Sondermülltonne (die Sony-Reader machen hier aber erfreulicherweise eine Ausnahme, man kann sie nämlich aufschrauben!) Hier zeigt sich auch, wie schwer sich eigentlich Bücher aus Papier und E-Lesegeräte vergleichen lassen – schließlich steckt in elektronischen Geräten jede Menge an Kunststoffen und Schwermetallen, die über den C02-Fussabdruck hinaus die Umweltbilanz belasten. Der Rohstoff Papier dagegen lässt sich nicht nur vergleichsweise rückstandsfrei recyceln, er stammt auch aus einer nachwachsenden und somit sehr nachhaltigen Quelle. Umweltargumente allein, so könnte man also Sony entgegenhalten, sind für eine „educated person“ kein ausreichender Grund, um elektronisch zu lesen. Man muss aber auch kein allzu schlechtes Gewissen haben…

(via ebookfriendly & adsoftheworld)