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Wenn Literatur zu Content wird: Frankfurter Buchmesse 2010 startet digitale Offensive

14 Sep 2010

buchmesse-frankfurt-2010-content-e-book-e-readerE-Books sind in den Frankfurter Messehallen längst keine unbekannte Größe mehr. Ein Novum ist jedoch die Kooperation zwischen der Buchmesse und dem Branchenverband BITKOM. Wo Literatur immer mehr zu Content wird, sucht offenbar die Gutenberg-Galaxis nun den Schulterschluss mit der digitalen Medien- und Kreativbranche. Während man auf den „Frankfurt Hot Spots“ etwa die neuesten Lesegeräte ausprobieren kann, treffen unter dem Motto „StoryDrive“ Vertreter aus der Verlagswelt,- Filmbranche sowie Musik- und Gamesindustrie zusammen. Die Frankfurter Buchmesse 2010 läuft vom 5. bis 10. Oktober.

Buchmesse heißt: Know-How für die Content-Vermarktung

Erst kamen die Hörbücher, dann E-Books. Elektronische Literatur hat sich auf dem deutschen Buchmarkt etabliert. Nach PDFs für den Wissenschafts-Bereich wird nun dank epub auch der Unterhaltungssektor zum Geschäftsfeld. „Wir rechnen damit, dass nach Fachliteratur, Sachbüchern und Infotainment auch digital publizierte Belletristik für die Leser zunehmend interessant wird“, so BITKOM-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Einen wichtigen Grund sieht der Verband der deutschen IT-Branche im aktuellen Tablet-Boom. Nach BITKOM-Berechnungen werden bis Ende 2010 hierzulande rund 500.000 Tablet-PCs verkauft. Gleichzeitig wächst bei den Kunden das Interesse am Kauf von elektronischer Lektüre. Um die Kooperation zwischen Buch- und Hightech-Branche zu verbessern, haben BITKOM und die Frankfurter Buchmesse die digitale Initiative „Frankfurt SPARKS“ ins Leben gerufen. Dabei geht es um die Lesegeräte, aber auch um Content im weiteren Sinne. „Der Bedarf an Inhalten ist so groß wie nie – und die Frankfurter Buchmesse steht für Inhalte. Keine andere Messe bietet derartiges Know-how für den Rechteverkauf und die Produktion und Vermarktung von Content“, so Buchmesse-Direktor Jürgen Boos auf der Vorschau-Pressekonferenz.

Hotspots für Hardware, StoryDrive für cross-mediales Erzählen

Für die Freunde des elektronischen Lesens dürften vor die Halle 8 interessant sein. Am „Devices Hot Spot“ etwa kann man nicht nur die Geräte selbst ausprobieren, sondern auch in Kontakt mit den Firmen treten, die Betriebssysteme, Vertriebsplattformen und Softwaredienste entwickeln. Spannend für E-Book-Autoren dürfte aber auch der „Literature & Special Interest Hot Spot“ in Halle 3.1 sein. Dort werden Portale, Plattformen und webbasierte Dienstleistungen für die Buchcommunity vorgestellt – etwa für den Bereich Self- und Social-Publishing. „Frankfurt StoryDrive“ versteht sich dagegen als Treffpunkt der internationalen Medien- und Entertainmentwelt. Im Mittelpunkt steht weniger die Hardware sondern das Erzählen an sich: „StoryDrive richtet sich an alle, deren Welt sich um gute Geschichten dreht – und die mit Geschichten Welten schaffen“, so die Organisatoren. Neben einer eigenen Cross-Media-Konferenz finden die Branchenvertreter unter dem Label „StoryDrive“ auch einen Handelsplatz für Medienrechte („Film&Media Rights Center“).

„Wir wollen die Welt jenseits von Papier und Tinte sehen!“

Die Zukunft des Erzählens ausloten will auf der Buchmesse aber auch ein „Crowdsourcing“- Wettbewerb in Zusammenarbeit mit der webbasierten Kreativ-Community Jovoto. „Es gibt eine Welt jenseits von Papier und Tinte, und die wollen wir sehen“, heißt es auf der Startseite des Projekts. Möglich ist alles, vom Video über Apps bis zum Computerspiel. Einsendeschluss ist der 30. September. Hundertprozentig virtuell ist die Frankfurter Buchmesse aber noch nicht. Zum Glück. „Der Hunger nach Wirklichkeit wird größer, je digitaler unser Leben wird“, meint wohl zu Recht Buchmesse-Direktor Jürgen Boos. Neben dem Content auf Displays oder zwischen Buchdeckeln treffen auf der Frankfurter Buchmesse deswegen auch in diesem Jahr Autoren und Leser aufeinander. Live erleben kann man in den Messehallen etwa Weltliteraten wie Jonathan Franzen oder Bret Easton Ellis, ebenso aber deutsche Größen wie Richard David Precht oder Wladimir Kaminer.