Wenn die Drohnen Bücher tragen: Australisches Startup Flirtey plant Lieferung via Flugroboter

Bisher funktioniert die Netz-Ökonomie am besten mit digitalen Gütern – E-Books etwa werden online bestellt, online bezahlt und online geliefert – im Idealfall gleich drahtlos direkt auf ein Mobilgerät. Physische Produkte dagegen müssen nicht nur gelagert, sondern auch transportiert werden – was gerade in großen Ballungsräumen nicht nur Geld, sondern auch Zeit kostet. Ein Grund, warum etwa so mancher Pizza- oder Taco-Lieferant in den USA oder Großbritannien bereits von autonomen Helikopterdrohnen träumt. Kommerzielle Flugroboter dürfen dort bisher aber gar nicht abheben.

Erste Zielgruppe sind Studenten

In Australien ist das anders – dort wurde der Betrieb von „UAVs“, also „unmanned aerial vehicles“, bereits vor zehn Jahren gesetzlich geregelt. Als erstes wird down under aber wohl nicht Fast Food in die Luft gehen, sondern das gute alte Printbuch. Zookal, ein Verleihportal für Schul- und Lehrbücher, hat sich zu diesem Zweck mit einem universitären Drohnen-Startup namens Flirtey zusammengetan – wer in Zukunft in Sydney via Smartphone ein Buch bestellt, bekommt es innerhalb weniger Minuten direkt aus der Luft geliefert. Kostenpunkt: umgerechnet etwa 80 US-Cents, deutlich weniger als die bisher von Zookal pro Buch angesetzten 8,60 Dollar.

Drohne navigiert ohne Kameras

Der Zustell-Vorgang klingt im Detail immer noch stark nach Sci-Fi: Die Drohne findet ihren Weg automatisch via GPS und Laser, kreist in etwa drei Metern Höhe über der Zielperson (die sich im Freien befinden muss), und seilt den Schmöker ab. Aus Datenschutz-Gründen werden die mit sechs Rotoren ausgestatteten Flugroboter nicht mit Kameras bestückt. Hindernissen in der Luft – etwa Vögeln oder Bäumen – sollen die Drohnen selbständig ausweichen können.

Testbetrieb startet Anfang 2014 in Sydney

Die Reichweite wird bei einer Fracht von maximal 2 Kilogramm anfangs 3 Kilometer betragen, um einen flächendeckenden Service anbieten zu können, müsste es also im Stadtgebiet von Sydney zahlreiche Drohnen-Stationen geben. Ein erster Testflug wird in diesem Herbst stattfinden, ein regulärer Testbetrieb soll dann Anfang 2014 mit einer Mini-Flotte von zunächst sechs Flugrobotern starten. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die australischen Behörden eine Lieferung in Wohngebiete zulassen – ansonsten würden eher öffentliche Plätze in Frage kommen, oder natürlich der Uni-Campus.

Wie denkt Amazon über Drohnen?

Gerade bei Amazon wird man die Pilotphase der Buchzustellung durch die Lüfte wohl aufmerksam beobachten: schließlich gilt die Lieferung von Waren am Tag der Bestellung („Same-Day-Delivery“) in Ballungsräumen wie San Francisco schon jetzt als probates Mittel, um dem Einzelhandel weitere Marktanteile abzunehmen. Derzeit natürlich noch vergleichsweise langsam per LKW. Ganz so weit weg ist die minutenschnelle Lieferung per unbemanntem Flugobjekt aber nicht mehr: Ab 2015 will die Federal Aviation Authority (FAA) kommerziellen Drohnen-Betrieb erlauben – und schätzt schon jetzt, dass bis 2020 etwa 30.000 Flugroboter im Luftraum der USA herumschwirren könnten.

(Via Sydney Morning Herald)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".