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Welttag des Buches: „Nutzerinteressen stärken, Urheberrechte wahren“

23 Apr 2012

Zum Welttag des Buches am 23. April werden auch in diesem Jahr wieder Bücher verschenkt, in Deutschland etwa organisiert durch den Börsenverein des deutschen Buchhandels, die Stiftung Lesen und zahlreiche Verlage. Passenderweise fällt dieser inoffizielle Feiertag auf den Geburtstag von William Shakespeare und Todestag von Miguel Cervantes. Das Copyright gab es zu deren Zeiten noch nicht – trotzdem gilt der 23. April zugleich als Tag des Urheberrechts. Der Deutsche Bibliotheksverband nahm letzteres zum Anlass, einen dringenden Appell an die Politik zu richten: man möge endlich das Urheberrecht wissenschafts- und bildungsfreundlicher gestalten. „Unnötige Restriktionen beim Zugang zu Wissen behindern Bildung, Wissenschaft und Forschung und gefährden damit nicht zuletzt die Innovationsfähigkeit unseres Landes“, heißt es dazu auf dem DBV-Blog.

Zum ständigen Zankapfel zwischen Bibliotheken und Verlagen ist die Verwendung digitaler Kopien in Wissenschaft und Studium geraten. Bei der Jagd auf Raubkopierer hat sich die Buchbranche nämlich nicht nur auf Filesharer, sondern auch auf die Nutzer öffentlicher Bibliotheken eingeschossen. An vielen Universitäten wurden etwa auf Grundlage der „Schrankenregelung“ im Urheberrechtsgesetz (§ 52a) Teile von Lehrbüchen eingescannt und in Form elektronischer Semesterapparate zugänglich gemacht. Wirklich benutzen lassen die sich aber nicht mehr – denn ein aktuelles Gerichtsurteil verbietet das Herunterladen und Ausdrucken. Die Verlagslobby plädiert dafür, die Schrankenregelung komplett abzuschaffen. Die Bibliothekare fordern dagegen sogar deren Ausbau: „Wissenschaft, Forschung und Innovationen werden dadurch behindert, dass Bibliotheken Informationen nicht in dem Maße und in der Weise zur Verfügung stellen dürfen, wie Wissenschaft und Forschung es verlangen“, so ein aktuelles Positionspapier des DBV.

Die Erlaubnis, Texte möglichst frei austauschen zu dürfen, habe nicht „zu größeren Umsatzeinbußen in der Verlagsindustrie geführt“. Zugleich wenden sich die Bibliothekare gegen den Einsatz von DRM – solche Formen von Kopierschutz würden nämlich die Nutzung wissenschaftlicher Informationen stark einschränken. Eine Lösung sieht der DBV in Open-Access-Plattformen. Doch die würden voraussetzen, dass Autoren das Recht erhielten, „nach einer angemessenen Frist ihr Werk formatgleich“ auf einer solchen Plattform zu publizieren. In vielen Fällen wird die Digitalisierung von Forschungsliteratur aber auch dadurch verhindert, dass überhaupt kein Rechteinhaber feststellbar ist („verwaiste Werke“) oder kein Verwertungsinteresse mehr besteht („vergriffene Werke“). Auch hier wünscht sich der DBV „pragmatische Lösungen“, die es den Bibliotheken erlauben würden, solche „verborgenen Schätze“ zu heben.

Abb.: Lienhard Schulz/Wikipedia