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Verlagsgruppe Weltbild immer digitaler: E-Book-Umsatz bei 10%, Online-Anteil bei 40%

25 Jul 2012

Der Strukturwandel in der Buchbranche bringt so manches Weltbild zum wanken – auch die Verlagsgruppe Weltbild musste im letzten Geschäftsjahr wieder kräftig Federn lassen: der Gesamtumsatz sank um einen zweistelligen Millionenbetrag. Belastet wurde das Ergebnis dabei nicht nur durch den Umbau des Filialnetzes, sondern auch durch kräftige Investionenen in den E-Book- und IT-Bereich. Die konsequente Digital-Strategie zeigt immerhin schon Folgen: 40 Prozent der Umsätze werden inzwischen im Internet gemacht – weit mehr als im Buchhandel üblich. Der GfK zufolge ist Weltbild (zusammen mit Hugendubel) nach Amazon und Ebay sogar Deutschlands wichtigster Online-Händler. „Wir haben den Klimawandel im europäischen Buchmarkt vorhergesehen und unsere Hausaufgaben frühzeitig gemacht. So stehen wir heute an der Spitze des Wandels zu Multichannel und E-Book“, kommentiert Carel Halff, Vorsitzender der Weltbild-Geschäftsführung, dieses Ergebnis.

Low-Cost-Strategie im Reader-Bereich

Zum Erfolg im E-Lese-Sektor beigetragen hat Weltbilds kompromisslose Low-Cost-Strategie in punkto Hardware: das Unternehmen setzt vor allem auf Trekstors eBook Reader 3.0, der zum Kampfpreis von 60 Euro angeboten wird. Obwohl das LCD-Gerät weder vom Kontrast noch von der Akku-Laufzeit mit klassischen E-Ink-Readern mithalten kann, ist es bei den Kunden außerordentlich beliebt – in den vergangenen zwölf Monaten wurden mehr als eine halbe Million Geräte verkauft. Das durch die breit gestreute Reader-Plattform angekurbelte Wachstum im E-Book-Geschäft macht sich inzwischen auch in der Bilanz bemerkbar: „Schon heute erwirtschaften wir deutlich mehr als zehn Prozent unseres Online-Buchumsatzes über eBooks, Tendenz weiter steigend“, so Halff. Die Tage des eBook Readers 3.0 zumindest sind aber gezählt: Zur Frankfurter Buchmesse im Oktober 2012 planen Weltbild und Hugendubel die Einführung eines neuen Lesegerätes.

Filialnetz wird nach unten angepasst

Dem Wachstum im Online-Bereich steht die Ausdünnung des Filialnetzes gegenüber: mit Standortverlagerungen, Umbauten sowie Filialverkleinerungen und -schließungen hat das Unternehmen auf die sinkende Nachfrage im stationären Buchhandel reagiert. Multichannel lautet auch dabei die Parole – die verbleibenden Buchhandlungen sollen enger mit dem Internet-, Katalog- und Mobilhandel vernetzt werden. „Der Kunde denkt in Marken, nicht in Vertriebskanälen. Er erwartet ganz selbstverständlich, dass er uns überall erreicht: in der Stadt, im Internet und auf dem Smartphone“, so Weltbild-Chef Halff. Eine historische Besonderheit der Verlagsgruppe Weltbild wird jedoch auch in Zukunft weiterbestehen – sie bleibt mehrheitlich im Besitz der katholischen Kirche (was man zuletzt etwa bei der philisterhaften Produktbeschreibung des aktuellen Top-Sellers „Fifty Shades of Grey“ auf Weltbild.de merken konnte.) Die u.a. von 12 deutschen Bistümern gehaltenen Anteile sollen jedoch demnächst in eine Stiftung übergehen, die dann als alleiniger Gesellschafter auftritt.

Abb.: Screenshot Weltbild.de