Weltbild-Chef: Online-Versandhandel bedroht Buchbranche stärker als E-Book-Hype

online-versandhandel-bedroh.gifOnline bedroht Offline – der Internet-Versandhandel nimmt dem stationären Buchhandel immer mehr Marktanteile ab. Vierzig Prozent der Buchhandels-Flächen könnten in den nächsten fünf Jahren verschwinden, so Weltbild-Chef Carel Halff in einem Interview mit Buchreport. E-Books werden daran seiner Meinung nach aber nur einen geringen Anteil haben – „die tatsächlichen Umsatzperspektiven“ elektronischer Bücher seien nämlich begrenzt.

Online bedroht Offline – „Im Buchvertrieb der Zukunft gibt das Internet den Takt vor“

„Online bedroht Offline“ heißt es auf dem Titelbild der Kundenzeitschrift von Weltbild. Daneben prangt das Gesicht von Weltbild-Chef Carel Halff. Das ganze ist allerdings nur eine Fotomontage von Buchreport. Doch die Message stimmt. In einem aktuellen Interview mit dem Branchenportal schätzt Hallf nämlich, dass bis zum Jahr 2015 bis zu 40% der Flächen im stationären Buchhandel aufgegeben werden könnten. Grund dafür ist der steigende Anteil des Versandhandels. Tatsächlich meldete die GfK vor kurzem, der Umsatzanteil des Internet-Buchhandels habe 2009 bereits bei 21 Prozent gelegen – gegenüber nur 14 Prozent im Jahr zuvor. Nimmt man noch den klassischen Versandhandel hinzu, entstehen sogar mehr als dreißig Prozent aller Umsätze außerhalb von Buchhandlungen. „Im Medien- und Buchvertrieb der Zukunft gibt das Internet den Takt vor“, so Halff gegenüber Buchreport. „Auch in den nächsten Jahren wächst dieser Kanal mit zweistelligen Raten, Weltbild.de wächst aktuell um 30%“. Weltbild ist allerdings Gewinner und Verlierer zugleich. Denn die Verlagsgruppe ist nicht nur ein wichtiger Player im Versandhandel – sowohl über das Online-Portal weltbild.de wie auch via Versandkatalog – sondern betreibt zahlreiche Filialen, ob sie nun Weltbild, Hugendubel, Weiland oder Habel heißen. Dort wird bereits jetzt Personal abgebaut: Im letzten Jahr geriet Weltbild in die Schlagzeilen, weil mehr als 300 Mitarbeiter betriebsbedingte Kündigungen erhielten.

Nicht E-Books, sondern Multichannel ist die Zukunft: viele Waren an vielen Orten

Seit 2009 ist Weltbild auch in das E-Book-Geschäft eingestiegen. Neben zahlreichen elektronischen Titeln verkauft das Portal Weltbild.de auch E-Reader, darunter mit dem 5-Zoll-Reader Hanvon N516 sogar ein Gerät für knapp 150 Euro. Mehr als 10.000 Lesegeräte will Weltbild im Jahr 2009 bereits abgesetzt haben. Den Einfluss des E-Book-Business auf den Strukturwandel der Branche schätzt Calff gegenüber Buchreport allerdings eher gering ein: „Der Distanzhandel gewinnt, aber nicht wegen der E-Book-Angebote. Das ist ein großer Medienhype, die tatsächlichen Umsatzperspektiven sind begrenzt“. Halff zufolge darf sich der Buchandel ohnehin nicht auf eine bestimmte Absatzsparte konzentrieren: „Das Zukunftsmodell heißt Multichannel-Handel.“ Darunter versteht der Weltbild-Chef nicht nur die Kombination von Online & Offline, sondern auch die Ergänzung typischer Sortimente durch „Non-Books“. Neben CDs und DVDs dürften sich dabei wohl vor allem Games in den Regalen behaupten – immerhin versucht sich die Spielebranche ja mittlerweile auch an „Serious Games“.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

2 Gedanken zu „Weltbild-Chef: Online-Versandhandel bedroht Buchbranche stärker als E-Book-Hype“

  1. Pingback: virenschutz.info

Kommentare sind geschlossen.