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Freie Weisheit für die Massen: 15 Jahre Online-Enzyklopädie Wikipedia

18 Jan 2016 0 Kommentare

wikipedia-wird-15-jahre-altKaum jemand kann sich das Web heute noch ohne Google, Youtube, Facebook oder Wikipedia vorstellen – trotzdem ist keine dieser Adressen älter als zwei Jahrzehnte. Die Online-Enzyklopädie bleibt dabei auch im 15. Jahr ihres Bestehens ein Sonderfall: in der Top Ten der weltweit meistbesuchten Websites brilliert sie als das einzige Non-Profit-Projekt. Während anderswo mit User Generated Content oder passiven Nutzerdaten immenses Geld für anonyme Aktionäre gescheffelt wird, grünt und blüht bei Wikipedia der Baum des Wissens, und der steht in diesem Fall auf der Allmende, neudeutsch: den „Commons“.

„Unmögliche Idee verwirklicht“

Dass dieser Begriff in aller Munde ist, hat viel mit 15 Jahren Wikipedia zu tun –– im Jahr 2001 war das noch ganz anders: „Wikipedia seemed like an impossible idea at the time—an online encyclopaedia that everyone can edit. However, it has surpassed everyone’s expectations over the past 15 years, thanks to the hundreds of thousands of volunteers around the world who have made Wikipedia possible“, schrieb Wikipedia-Gründer Jimmy Wales dem Mitmach-Lexikon zum aktuellen Jubiläum ins Stammbuch. Derzeit umfasst die Online-Enzyklopädie mehr als 37 Millionen Artikel, erstellt von mehr als 80.000 freiwilligen AutorInnen in mehr als 300 Sprachen.

Brockhaus- & Britannica-Killer

In der Geschichte des elektronischen Lesens ist die Wikipedia gleichfalls ein entscheidender Meilenstein – sie läutete das Ende der gedruckten Enzyklopädien von Britannica bis Brockhaus ein, ironischerweise aber auch das Ende von vermeintlich fortschrittlichen Multimedia-Lexika auf CD-Rom wie etwa Microsofts Encarta. Eine Form von digitaler Disruption avant la lettre – und zugleich auch ein Vorbote von Crowdsourcing, Crowdfunding und nicht zuletzt Krautpublishing: seit den Nuller Jahren ist eine ganze Generation von Web-Autoren und Aktivisten herangewachsen, die selbstbewusst die Möglichkeiten von kollaborativen Online-Tools nutzen und deren technische Grundlagen fördern.

Stiftungskapital soll freies Wissen sichern

Oft stehen im Hintergrund solcher Projekte nicht nur gut organisierte Communites, sondern veritable Stiftungen. Das ist bei Wikipedia selbst so (Wikimedia Foundation), aber auch etwa bei Firefox (Mozilla-Foundation), dem GNU-Projekt (Free Software Foundation) oder bei archive.org (Kahle Austin Foundation). Woher das Geld im Fall der Wikipedia stammt, wissen die Nutzer sehr gut, schließlich werden sie im Rahmen von Spendenkampagnen per Browser-Einblendung regelmäßig zu finanziellen Beiträgen aufgerufen. Das Von der Hand in den Mund-Fundraising könnte zukünftig ein Ende haben: bis 2025 soll mit dem Wikimedia Endowment ein nachhaltiger Vermögensstamm von 100 Millionen Dollar aufgebaut werden.

Frage-Antwort-Maschine als Zukunft?

Bis dahin wird sich auch die Wikipedia als solche weiterentwickeln –– der Trend geht weg von der „traditionellen“ Online-Enzyklopädie zur Google-ähnlichen Frage-Antwort-Maschine (Wikipedia-intern ist dafür die Abteilung „Discovery“ zuständig). Vielleicht geschieht das ja auch mit noch stärkerer Einbindung des Suchmaschinen-Riesen: ohnehin zeigt Google bei vielen Anfragen automatisch aufbereitete Datensätze aus der Wikipedia an, und viele Suchergebnisse verweisen gleich an erster Stelle auf einen Wikipedia-Eintrag. Dass „Frag Google“ immer auch „Frag Wikipedia“ impliziert, war schon bisher einer der größten Erfolgsfaktoren des Projekts…


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