Retour zum Kerngeschäft? Waterstones verkauft mehr Print, weniger Kindles

Wird Brick & Mortar wieder schick, während E-Lektüre langsam aus der Mode kommt? Großbritanniens führende Buchhandelskette Waterstones meldet zwei interessante Trends: im Weihnachtsgeschäft legten physische Buchverkäufe um 5 Prozent zu, obwohl kein Mega-Bestseller so richtig aus der Masse herausstach. Dafür gab’s aber offenbar einen neuen Worst-Seller im E-Reading-Bereich: der Verkauf von Kindle-Geräten durch Waterstones ist nämlich fast zum Erliegen gekommen. „We did not sell many Kindles all this year (=2014) in comparison to last year“, so Geschäftsführer James Daunt gegenüber The Bookseller.

Schon seit 2012 kooperiert Waterstones bekanntlich mit Amazon, was damals noch für großes Aufsehen sorgte, und kundenseitig für so manche Beschwerde (u.a. über Waterstones-Screensaver). Anfangs hat sich die Zusammenarbeit mit dem Branchenteufel für die Buchhandelskette aber durchaus gelohnt: Noch im Weihnachtsgeschäft 2013 seien Amazons Lesegeräte ein echter Kassenschlager gewesen, so Daunt. Nun mache sich aber offenbar eine Marktsättigung bemerkbar: „I think everyone who wants a Kindle now has one“.

Diese Rechnung geht aber wohl nur für Waterstones bibliophile Kundschaft auf – denn Amazon.com hat wohl auch in der Weihnachtssaison neue Verkaufsrekorde erzielt. Zumindest, wenn man die bereits veröffentlichten Ergebnisse vom Black Friday (d.h. der Freitag nach Thanksgiving, also: 28. November 2014) in Betracht zieht: am verkaufsstärksten Tag des vergangenen Jahres wurden laut Amazon-Pressemitteilung „dreimal soviele Kindle Fires und vier mal so viele Kindle Reader wie im Vorjahr“ abgesetzt. Branchenexperten schätzen, dass 2014 erstmals mehr als 20 Millionen Kindles über den Ladentisch gingen.

Real scheint dagegen aber die Trendwende im stationären Geschäft zu sein – was im Fall von Waterstones auch mit einem harten Sanierungskurs zusammenhängt: mehr als ein Dutzend Filialen wurden geschlossen, eine Handvoll wiederum neu eröffnet. Kapital ist ja vorhanden, Waterstones gehört mittlerweile dem russischen Mulitmilliardär Alexander Gamut. Mit den Moskauer Devisen wurden bestehende Filialen kräftig aufgemöbelt, und erhielten neben einer gebrandeten Café-Zone („Café W“) auch einen Kindle-Shop-in-Shop. Zumindest der Mut zur Eigenröstung scheint sich gelohnt zu haben…

(via The Bookseller)

Abb.: Pedro Figueiredo/Flickr (cc-by-2.0)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".