Waterstones kapituliert endgültig vor Amazon: eigener E-Book-Store ist offline

waterstones-schliesst-ebook-storeEs ist ein harter Schnitt für Waterstones, und ein Super-GAU für die verbliebenen Kunden: Großbritanniens führende Buchhandelskette Waterstones gibt das E-Book- und digitale Hörbuch-Business auf. Der vom Distributor Overdrive versorgte E-Store ist bereits seit Anfang der Woche offline, die Accounts auf waterstones.com werden Mitte Juni abgeschaltet. Während gekaufte Audiobooks im Orkus verschwinden, wenn man sie nicht rechtzeitig herunterlädt, können die E-Book-Bibliotheken zu Kobo zu transferiert werden. Damit profitieren die Kanadier erneut vom Branchen-Ausstieg eines großen Namens, auch die Kunden des Sony-Stores landeten dort, nachdem der Konzern 2014 den Stecker zog.

Britischer E-Book-Markt gehört jetzt Amazon, Kobo & Co.

Aus dem E-Reader- bzw. Kindle-Verkauf — denn hier kooperierte das Unternehmen mit Amazon — war Waterstones bereits im letzten Herbst ausgestiegen, am Ende wurden kaum noch Lesegeräte verkauft. Mit dem Abschied vom E-Book-Geschäft wird der E-Book-Markt in Großbritannien nun überwiegend von international aufgestellten Online-Händlern wie Amazon, Apple, Google und eben Kobo dominiert. Die Situation ist also etwa so, als würden in Deutschland Thalia, Weltbild und Hugendubel nur gedruckte Bücher verkaufen. Einen starken E-Lese-Gegenspieler mit eigener Reader-Plattform wie die hiesige Tolino-Allianz hat der britische Buchhandel nicht aufgebaut, was u.a. auch daran liegt, das auf der Insel seit der Abschaffung der Buchpreisbindung ein harter Überlebenskampf tobt.

Sind gedruckte Bücher wirklich das Kerngeschäft?

Waterstones ist das beste Beispiel für diesen finalen Akt der schöpferischen (Selbst-)Zerstörung einer traditionsreichen Branche: das Unternehmen gehört mittlerweile dem russischen Mulitmilliardär Alexander Gamut — und fährt einen harten Sanierungskurs. Zu den strategischen Umbaumaßnahmen gehört nun offenbar auch, sich wieder auf das Kerngeschäft zu beschränken. Oder besser gesagt, den Teil des Kerngeschäfts, der noch nicht komplett verloren ist. Denn der Umsatzanteil von E-Books ist auf dem britischen Buchmarkt inzwischen auf 30 Prozent geklettert. Nach Schätzungen der UK Bookselles Association gehen diese Umsätze aber zu 95 Prozent an Amazon…

(via The Digital Reader & Buchreport)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".