Waterstones antwortet auf Amazon Prime Air: „Wir werden Bücher mit dressierten Eulen ausliefern“

Bücherlieferung per Helikopter-Drohne? Für Amazon offenbar kein Problem. Am Wochenende vor dem verkaufsstarken Cybermonday präsentierte Jeff Bezos dem TV-Publikum zur Prime Time sein neuestes Projekt: „Amazon Prime Air“. Schon ab 2015 wolle man den Kunden im Umfeld der Logistikzentren die Express-Lieferung aus der Luft anbieten – allerdings müsste man bis dahin noch ein paar kleine technische und juristische Fragen klären. Schon klar. Im Web wurde nicht nur mit einem Konzept-Video nachgelegt, sondern auch mit scheinbar ernsthaften „FAQs“: „Ist das Science-Fiction?“, lautet Frage Nummer Eins. Nein, so die Anwort: „Es mag zwar so aussehen, aber es ist real“.

Nun ja. Tatsächlich gibt es ja bereits einzelne Feldversuche, die irdische Lieferkette mit autonomen Flugrobotern zu erweitern, vom ebenfalls auf Bücher spezialisierten australischen Startup Flirtey (E-Book-News berichtete) bis zum Freiburger Dönercopter. Auch in der süddeutschen Stadt mit hoher Dönerstand-Dichte und theoretisch kurzen Flugzeiten ist allerdings davon die Rede, das Projekt befinde sich „noch in der frühen Entwicklungsphase“. So hat wohl am Ende Jeff-Bezos-Biograf Brad Stone recht, wenn er Amazon Prime Air auf den Boden der Tatsachen zurückholt: „The aerial drone is actually the perfect vehicle—not for delivering packages, but for evoking Amazon’s indomitable spirit of innovation.“

Doch selbst wenn es vorerst ein bloßer PR-Gag war – die Story ist anschlussfähig. Das zeigt die Reaktion der britschen Buchhandelskette Waterstones (die pikanterweise mit Amazon kooperiert): die Book People aus dem Lande Harry Potters antworteten stilecht mit der Ankündigung von „O.W.L.S.“, dem „Ornithological Waterstones Landing Service“. Statt Flugrobotern wolle man à la Hogwarts auf eine Flotte von trainierten Eulen setzen: „sie arbeiten entweder alleine oder als ein dynamisches Team, und transportieren Ihr Paket nach Bestellung innerhalb von dreißig Minuten“.

Süffisant nimmt in einem Video Pressesprecher John Owls (eigentlich heißt er Howells) Amazons „im Prinzip schon real“-Rhetorik auf die Schippe: „Bis zur kommerziellen Verfügbarkeit von O.W.L.S. wird es ein paar Jahre dauern, denn schließlich dauert es eine Ewigkeit, Eulen abzurichten, und außerdem kam uns diese Idee erst heute morgen.“ Zu Hochform läuft Waterstones dann in den eigenen „FAQs“ zu O.W.L.S. auf. Eine Frage zu den dressierten Eulenschwärmen lautet: „Aber fängt nicht Hitchcocks ‚Die Vögel‘ genauso an?“ — Antwort: „Die Vögel ist Fiktion, das hier ist das richtige Leben. Alles wird gut.“

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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