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Wasserzeichen als Ausstiegsdroge: dtv sagt tschüss zu hartem DRM

22 Apr 2015 2 Kommentare

dtv-verzichtet-auf-drmEs gibt sie noch, die E-Book-News aus der Rubrik Zeichen und Wunder – auf dem Verlagsportal dtv.de kann man z.B. seit heute lesen: „Ab dem 1. Mai 2015 ist unser gesamtes eBook-Programm nicht mehr mit dem harten Kopierschutz (DRM) versehen, sondern trägt ein Wasserzeichen“. Nach Dumont verzichtet mit dtv damit binnen kurzem ein weiterer großer deutscher Verlag auf rigides Digital Rights Management à la Adobe Digital Editions.

„Erwerb und Nutzung von E-Books erleichtern“

Man reagiere „nach einer gründlichen Prüfungsphase auf die sich zuspitzende Diskussion im Handel“, so dtv’s Digital-Chefin Carmen Udina gegenüber dem Börsenblatt. Mit dem Umstieg aufs Wasserzeichen wolle der Verlag „den Erwerb und die Nutzung von E-Books erleichtern und den Kundensupport auf Seiten der Handelspartner minimieren“. Erst Anfang des Jahres hatte sogar Börsenvereins-Vorsteher Heinrich Riethmüller gefordert: „Der harte Kopierschutz muss weg!“.

Startup-Verlage verzichten komplett auf DRM

Man hätte es natürlich auch schon etwas länger wissen können. Gerade kleine Startup-Digitalverlage wie Mikrotext oder Dotbooks haben von Anfang an komplett auf Kopierschutz verzichtet, und zwar ganz bewusst. Dotbooks-Lektor Dennis Schmolk etwa wusste schon 2013 im E-Book-News-Interview: „DRM ist eine Einstiegshürde, die gerade technisch weniger versierte Kunden abschreckt“. Eine wesentliche Erkenntnis in der Branche sei: „Neunzig Prozent aller Supportvorfälle sind DRM-bedingt“.

Auch der Buchhandel ist mit DRM unzufrieden

Nicht zuletzt der Buchhandel ist ebenfalls seit langem unglücklich über DRM. Gegenüber Buchreport bestätigte Heinrich Riethmüller, neben dem Börsenvereins-Amt auch Osiander-Geschäftsführer erst kürzlich: „Bei Osiander beschäftigen sich zwei bis drei Mitarbeiter ausschließlich damit, am Telefon Kunden beim Download zu beraten. Bei anderen Händlern sieht es wohl nicht anders aus.“

Das Wasserzeichen – digitales Methadon?

Ganz ohne naiven Schutzzauber kommt die traditionelle Branche aber offenbar immer noch nicht aus – das zeigen die Beispiele dtv und Dumont: in beiden Fällen wird mit dem digitalen Wasserzeichen auf eine Art Ausstiegsdroge gesetzt. Das mag zwar nicht ganz so teuer sein wie etwa die Nutzung von Adobe Digital Editions, verringert aber ebenfalls die E-Book-Marge. Und schützt gegen E-Book-Piraterie genausowenig wie hartes DRM.

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