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Washington Post nutzt Amazon-Daten für erste „umfassende“ Bestseller-Liste

12 Feb 2018

wapo-nutzt-amazon-datenDie Washington Post nutzt für ihre Bestseller-Liste Fiction/Nonfiction ab jetzt auch Daten von Amazon – und verspricht den Lesern damit die bisher „umfassendsten“ Literatur-Rankings.
Hmmm, was ist die Nachricht hinter dieser Nachricht? Zunächst einmal sicherlich: hier wurde der Workflow zwischen zwei Unternehmen optimiert, die beide Jeff Bezos gehören. Was als Tatsache schon mal so wichtig ist, dass es bereits als Hinweis auf den Bestsellerlisten-Landingpages erscheint. Dazu wird erklärt, die Amazon-Daten enthielten „qualified borrows of books read through Amazon’s digital subscription program“, also „Buchausleihen aus Amazons digitalen Abo-Programmen“ (d.h. Prime Reading und Kindle Unlimited).

Bradbury importiert, Heliograf fabuliert

Wie da genau optimiert wurde, kann man einer Pressemitteilung der WaPo entnehmen — eine neue Software namens „Bradbury“ erleichtert das Erstellen und Syndizieren von Bestseller-Listen, indem Daten aus verschiedenen Quellen automatisch importiert werden können. Auch neue Themenlisten lassen sich mit „Bradbury“ leicht erstellen, etwa eine Liste aller Neuzugänge, der am längsten in der Liste präsenten Autoren, Genre-spezifische Listen etc. Die Storytelling-App Heliograf wiederum kann zudem aus dem Vergleich von Listendaten eine wöchentliche Kurzzusammenfassung in Textform liefern, was etwa besonders schnell aufsteigende Titel, neue Zugänge oder bisherige Performance eines Titels betrifft.

Neue „Most read“-Liste zu 100% made by Amazon

Während die traditionellen Listen nur mit Amazon-Daten erweitert wurden, und wie bisher auch Informationen des Brancheninformationsdienstes Nielsen Bookscan enthalten, gibt es mit der nationalen „Most read“-Liste auf wapo.com sowie der „Most Read Bookd D.C.“-Liste nun aber auch noch zwei komplett von Amazon übernommene Rankings. Dazu wird der Hinweis angezeigt: „Amazon Most Read lists rank titles by the average number of daily Kindle readers and Audible listeners each week. (…) The Post has no editorial influence on these lists.“

„Zum ersten Mal gibt es eine reale Bestseller-Liste“

Ist das alles nun gut oder schlecht? Kommt darauf an. Zum einen gab es sicherlich noch nie eine so realistische Marktschau: „The Washington Post’s lists are probably the first to accurately reflect what people are reading, and not what some New York book editor thinks is worth reading“, urteilt The Digital Reader mit einem süffisanten Verweis auf die eher fiktiven Bestseller-Listen der New York Times. Zum anderen spiegelt die neue Liste natürlich auch die übermächtige Marktposition von Amazon auf dem US-Buchmarkt und den Einfluss von Jeff Bezos auf die Washington Post wider.

Aber immerhin, wir haben jetzt genauere Daten. Und das ist ja am Ende – auch hier hat The Digital Reader recht — „still better than a kick in the teeth“. Oder, wie wir Norddeutschen sagen, besser als ein Loch im Kopf.