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Wallstreet-Journal startet 2012 deutsche Online-Ausgabe – erstmal ohne Paywall

Die Expansionsstrategie des Wallstreet-Journal geht weiter: nach Online-Ablegern in Asien und Südamerika ist Anfang 2012 nun Deutschland dran. Das neue Portal wallstreetjournal.de wird übersetzte Artikel aus dem amerikanischen Original enthalten, aber auch originären Content einer zehn Mann starken deutschen Redaktion. Eine lokalisierte Print-Ausgabe ähnlich wie im Fall der Financial Times Deutschland ist vorerst offenbar nicht geplant. Neben Werbeeinnahmen setzen die Blattmacher auf Paid Content. Das WSJ kommt Meedia zufolge „im digitalen Paket mit Apps und mobilen Anwendungen, für die Nutzer bezahlen müssen“. Die Website soll allerdings kostenlos zugänglich sein.

Weltweit größtes News-Portal mit Bezahlschranke

In den USA ist das WSJ das auflagenstärkste Blatt überhaupt mit einer verkauften Auflage von mehr als 2 Millonen, darunter 400.000 reine Online-Abos. Die Netz-Ausgabe der zur News Corporation von Rupert Murdoch gehörende Zeitung gilt nämlich weltweit zugleich als größte News-Website mit Bezahlschranke. Anders als etwa beim „metered access“-Modell der New York Times bekommt man auf der Website grundsätzlich nur Anreißer zu lesen, gefolgt vom Hinweis: „To continue reading, subscribe now“. Ein reguläres jährliches Print-Abo kostet allerdings mehr als 300 Dollar, ein Online-Abo knapp 200 Dollar. Die Subskribenten in den USA können sich das aber auch leisten: zwei Drittel der Leserschaft gehören zum gehobenen Management mit einem Durchschnittsgehalt von 191.000 Dollar.

Konkurrenten sind Handelsblatt & FTD

Zuletzt machte Rupert Murdoch Schlagzeilen mit dem Start von The Daily, einer iPad-only -Tageszeitung, die dem Paid Content-Modell endgültig zum Durchbruch verhelfen soll. Eine Umsonst-Alternative in ähnlicher Form haben die Leser in diesem Fall schließlich nicht. Im Fall von wallstreet-journal.de sieht das ganz anders aus. Eine allzu aggressive Paywall würde hierzulande wohl nicht funktionieren. Größte Mitbewerber im deutschen Online-Blätterwald sind schließlich das Handelsblatt und Financial Times Deutschland. Deren Webseiten sind frei zugänglich, es gibt aber neben Premium-Abonnements mit zusätzlichem Service auch kostenpflichtige Apps für Apples Tablet. Diesem geteilten Modell folgt nun offenbar auch Murdochs mediale Offensive in der deutschen Zeitungs-Landschaft.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".