Vorgerechnet: Warum sich Print immer noch lohnt – auch in Zukunft

„Alle Bücher sind E-Books, manche werden ausgedruckt“ – so lautet das Motto von ebooknews press, dem Verlagslabel von E-Book-News. Schaut man sich die Buchmarkt-Prognosen für Deutschland bis 2018 an (siehe den Artikel „PwC-Prognose: E-Books überholen Print bis 2018 – in USA & UK, aber nicht in Deutschland“), werden wohl die meisten E-Books auch in Zukunft ausgedruckt: die Umsätze mit Lektüre aus Papier bleiben einer Studie von PricewaterhouseCoopers zufolge nämlich mittelfristig äußerst stabil, der Marktanteil von Print pendelt sich hierzulande knapp unter 90 Prozent ein. Wachsen dürfte aber die Rolle von Print-On-Demand – nicht nur im Self-Publishing-Sektor. Schon jetzt lohnt sich das parallele Angebot von POD-Titeln mindestens genauso wie der E-Book-Verkauf.

Print-On-Demand, via Amazon & via Buchhandel

Beispiel gefällig? Das kürzlich erschienene “ebook & ereader ABC” kostet in elektronischer Form 9,90 Euro, davon bleiben beim Verkauf via Kindle Store 6,69 Euro beim Verlag, bei der erweiterten Distribution via Libreka immerhin noch 5,40 Euro. Die Taschenbuchversion – 224 Seiten, Ladenpreis 18,90 Euro, Nettopreis 17,66 Euro – muss natürlich erstmal gedruckt werden, was en Detail via Print-On-Demand nicht ganz so günstig ist wie bei der Herstellung größerer Auflagen, zudem fallen weitere Kosten für den Vertrieb an, vor allem wenn der Zwischenbuchhandel beteiligt ist. Trotzdem sind die Erlöse gar nicht mal so schlecht: via Amazon.de/Createspace bleiben pro verkauftem Exemplar 7,33 Euro beim Verlag (entspricht 40 Prozent des Nettopreises), bei der Buchhandels-Distribution via Books On Demand immerhin noch 4,47 Euro (entspricht 25 Prozent des Nettopreises).

Direktverkauf bringt höhere Marge


Noch besser sieht die Rechnung beim Direktverkauf über ebooknews press aus. Die Druckkosten liegen pro Exemplar bei knapp 6 Euro, wenn man z.B. 10 Exemplare auf Vorrat via Createspace in den USA drucken und nach Europa schicken lässt (anders geht’s bei Amazon bisher noch nicht, und die deutschen POD-Anbieter verlangen mindestens das Doppelte). Zieht man dann noch Porto und Verpackung in Höhe von 1,25 Euro ab, wenn eine Bestellung des “ebook & ereader ABC” innerhalb Deutschlands als Büchersendung direkt von ebooknews press an den Endkunden verschickt wird, bleiben knapp 10 Euro Gewinn (entspricht knapp 55 Prozent des Nettopreises). Zum Vergleich: beim Direktverkauf der E-Book-Version bleiben abzüglich Umsatzsteuer und Paypalgebühren weniger als 8 Euro übrig.

Neue Geschäftsmodelle für papieraffine Genres?

Natürlich ist die obige Rechnung auf einen Sachbuchtitel mit längerfristigem Nutzwert bezogen, für den das Pricing anders kalkuliert wird als für schnell und seriell konsumierbare Belletristik. Grundsätzlich lässt die auf absehbare Zeit forbestehende Vormachtstellung des Print-Sektors in Deutschland aber neue Geschäftsmodelle sinnvoll erscheinen, die die jeweilige Stärke eines Mediums maximal ausnutzen. Bei E-Books etwa die potentiell hohe Reichweite – sollte man sie zukünftig nicht in besonders papieraffinen Genres vor allem als Marketing-Instrument nutzen, also gratis abgeben, um möglichst viel vom großen Print-Kuchen abzubekommen? Oder vor allem im Rahmen von Bundling-Angeboten?

Abb.: Marta/Flickr (cc-by-sa-2.0)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".