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Vorbild für die Buchbranche: Spotify killt die Musikpiraterie

19 Jul 2013 Ansgar Warner 2 Kommentare

Verleihnix liegt auf dem Friedhof, gleich daneben Käptn Kidd – denn neue Zahlen aus den Niederlanden belegen, wie clevere Content-Lösungen à la Spotify das Problem der Piraterie elegant aus der Welt schaffen. Die jetzt veröffentlichten Zahlen des Musikstreaming-Dienstes (“Adventures in the Netherlands. Spotify, Piracy and the new Dutch experience”) zeigen einen direkten Zusammenhang zwischen dem Launch von Spotify und dem Rückgang illegaler MP3–Downloads: kurz bevor der Service 2010 in unserem Nachbarland an den Start ging, lag die musikalische Piraterie-Quote bei den über 15jährigen noch bei 32 Prozent, 2012 dagegen betrug sie nur noch 22 Prozent. Im Bereich Film/TV-Serien – wo entsprechende Angebote fehlen – stieg die Quote dagegen von 10 auf 18 Prozent. Bisher gab es vergleichbare Zahlen nur für Schweden – dem Ursprungsland von Spotify, das übrigens 2008 explizit an den Start ging, um eine Alternative für illegale Downloads zu bieten.

Neue Alben sind begehrt – auch bei Piraten

Besonders interessant in punkto Spotify sind die aktuellen Daten für einzelne Künstler mit hoher Popularitätsrate – waren ihre neuen Alben direkt nach der Veröffentlichung über den Dienst verfügbar (wie etwa im Fall von One Direction/Take me Home), stiegen die legalen Zugriffszahlen via Streaming genauso steil an wie die Verkaufszahlen, während sich die Downloads via BitTorrent in Grenzen hielten. War ein Album dagegen in den ersten Wochen nicht via Spotify verfügbar (wie im Fall von Rhianna/Unapologetic), war die Verkaufskurve nach Veröffentlichung weitaus weniger steil, flachte schnell ab und verlief dann fast deckungsgleich mit den BitTorrent-Downloads. Mit anderen Worten: mangels einfacher Verfügbarkeit via Streaming wichen die Fans auf illegale Downloads aus.

Für die Labels lohnt sich Spotify doppelt

Da Spotify auf einem Freemium-Modell basiert, ist der Service für die meisten Hörer kostenlos – von den derzeit knapp 20 Millionen Nutzern zahlen nur 5 Millionen eine regelmäßige Gebühr, um etwa ohne Zeitlimit und mit besserer Klangqualität auf das Musikangebot zuzugreifen. Gerade für die großen Labels lohnt sich Spotify doppelt: zum einen erhalten sie Tantiemen für die gespielten Titel – in Ländern wie Schweden ist der Streaming-Service sogar schon zur wichtigsten Einnahmequelle avanciert. Zum anderen verkaufen sich (siehe oben) Alben, die bei Spotify die Playlists beherrschen, eben auch gut als CD oder MP3-Download.

Wo bleibt das Spotify für Bücher?

Der Erfolg von Spotify sollte eigentlich auch der deutschen Buchbranche die Augen öffnen: statt über absurde DRM-Konzepte nachzudenken (Stichwort SiDIM) ist es Zeit für legale Flatrate-, Abo- und Verleih-Alternativen. Entscheidend für den Erfolg solcher Modelle sind zwei Faktoren – einmal muss es genügend Fans geben, die auch bereit sind, Geld für gute Inhalte auszugeben. Das ist in Deutschland eindeutig der Fall. Außerdem muss das Angebot stimmen. Gerade hier haben jedoch entsprechende Verleihmodelle im E-Book-Bereich großen Nachholbedarf. Die führende Plattform Skoobe (immerhin ein von Verlagen gegründets Startup) bietet zwar schon mehr als 25.000 Titel an, doch es fehlen immer noch zu viele Verlage und zu viele Bestseller. Da hilft nur eins: Pump up the volume!

(via paidcontent.org)

Abb.: Flickr/Philippe Put (cc)

2 Kommentare »

  • Leser schrieb:

    Solange sich die Verlage nicht Eins werden und sowohl von DRM als auch der Buchpreisbindung die Finger lassen, überlassen sie das Feld den Piraten. Bestes Beispiel ist Torboox, eine de-facto Flatrate auf Spendenbasis, die leider illegal ist, aber auch deutlich mehr bietet als z.B. Skoobe. Dabei wäre es für die Großen der Branche ein Kinderspiel, eine vergleichbare Platform aufzuziehen. Man müsste nur wollen und sich nicht mit Grabenkämpfen aufhalten.

  • Jo schrieb:

    Na ja – mag sein, dass sich Spotify for Sony, Universal & Psy rechnen – für den Durchschnittsmusiker sicher nicht. Wäre man auf Spotify als Geldquelle angewiesen, müsste man zusätzlich noch betteln gehen – wer kommt schon auf 80.000 Plays pro Tag, den nötigen Wert für ein “Durchschnittseinkommen”? Insgesamt steht Spotify nur für eine weitere Entwertung der Musik. Und Apple bezahlt für Streams nicht mal die Hälfte von Spotify. Wer da noch Musiker sein kann? Klar kann man live auftreten – dafür muss man mittlerweile aber auch schon bezahlen. Tolle Welt.