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Von E-Tail zu Retail: Amazon eröffnet Kindle-Flagstore in Seattle

7 Feb 2012

Amazons Erfolgskonzept war bisher die Beschränkung auf den Onlinehandel, erst mit gedruckten Büchern, dann mit E-Books. In Seattle könnte nun erstmals ein Amazon-Store zum Anfassen eröffnen. In der Hafenstadt nahe der kanadischen Grenze ist auch Amazons Firmen-Hauptquartier beheimatet. Wie der Branchenblog goodereader.com erfahren hat, will das Unternehmen innerhalb der nächsten fünf Monate nun im Stadtzentrum den Testbetrieb einer Art „Flagstore“ für Amazon-Produkte starten. Für das Design des neuen Mustershops soll ein deutscher Auftragnehmer zuständig sein. Angeboten werden sollen im Amazon-Store neben Kindle-Readern und Zubehör auch gedruckte Bücher aus dem Amazon-Exclusives-Programm. Bereits jetzt läuft in Seattle ein Test mit „Click-and-Collect“ genannten Abholstationen für Amazon-Kunden, aufgestellt in Filialen der Einzelhandelskette 7-Eleven.

Steuerschlupflöcher gesucht

Das Kindle Fire mit seinem bunten Touch-Screen mag zwar die perfekte Shopping-Plattform sein, vom E-Book bis zum Kühlschrank. Doch der Weg von E-Tail führt irgendwann auch wieder zu Retail. Vor allem, wenn man im Online-Handel bereits eine marktbeherrschende Stellung hat. Schon im Verlauf der Borders-Pleite war gemutmaßt worden, Amazon könnte die Gunst der Stunde nutzen und die besten Standorte der zuvor zweitgrößten US-Buchhandelskette übernehmen. Doch das Unternehmen geht offenbar ein bisschen vorsichtiger an die Sache heran. Das dürfte neben den hohen Betriebskosten für die Präsenz in der Fläche auch steuerliche Gründe haben – denn bisher profitiert Amazon an vielen Standorten vom Vorteil des reinen Online-Händlers. So gilt etwa beim Einkauf im deutschen Kindle-Store der luxemburgische Mehrwertsteuersatz von drei Prozent.

Amazon verärgert traditionellen Buchhandel

Eigene Amazon-Buchhandlungen sind immerhin die logische Fortsetzung der bisherigen Strategie, immer mehr Funktionen eines echten Verlags zu übernehmen, bis hin zu einem eigenen Label wie Amazon Exclusives. Den verlegerischen Eigengewächsen droht allerdings ein totaler Boykott: Konkurrenten wie Barnes&Noble und Indigo Books haben nämlich bereits angekündigt, keine von Amazon verlegten Titel in ihre Regale zu stellen. Denn im E-Book-Bereich hat Amazons Exklusivitäts-Kurs für deutliche Verärgerung in der Branche gesorgt. Waren es zunächst exklusive Deals mit Bestseller-Autoren, so kam in letzter Zeit Amazons hochsubventionierter E-Book-Verleih „KDP Select“ hinzu. Autoren, die an den Ausschüttungen dieses Programms teilnehmen wollen, dürfen ihre E-Books ausschließlich im Kindle-Store anbieten.

(via goodereader & thenextweb)

Abb.: Independent-Bookstore in Boulder/Colorado (flickr/ImaginaryGirl)