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Von der Kurzstrecke zum Marathon: Amazon-Imprints bald auch in deutschen Buchhandlungen erhältlich?

18 Mrz 2014 2 Kommentare

Erst die Kurzstrecke, nun der Marathon: Amazon Publishing erweitert die Verlags-Aktivitäten in Deutschland – nach dem Start der deutschsprachigen Kindle-Singles Ende 2013 folgt nun im Frühjahr 2014 ein Belletristik-Programm für längere Texte made in Germany. Zum Start mit dabei ist ein brandneuer Herzschmerz-Titel von Emily Bold (“Klang der Gezeiten”), eine neue Fassung von Alexander Hartungs erstem Berliner Jan-Tommen-Krimi “Bis alle Schuld beglichen” sowie “New York für Anfängerinnen”, eine Art Novellen-Komödie aus der Feder der New Yorker FOCUS-Büroleiterin Susann Remke.

Insgesamt seien bereits 12 Autoren unter Vertrag, teilte Amazon im Vorfeld der Leipziger Buchmesse mit. Geleitet wird die in München ansässige neue Verlagssparte von Sarah Tomashek – was nicht ganz überraschend sein dürfte. Tomashek besitzt nämlich nicht nur einen Master in Deutscher Literatur besitzt und hat als Übersetzerin gearbeitet – seit 2009 leitete sie “Amazon Crossing”, also Amazons Spezial-Imprint, das u.a. deutsche Titel ins Englische übertragen lässt, um sie in den USA zu vermarkten. Ihr deutscher Kollege Laurenz Bolliger (zuvor Lektor bei Suhrkamp & Dumont) ist sei 2013 für das Kindle Singles-Programm von Amazon.de verantwortlich.

Zu den ganz großen Anfangserfolgen von “Amazon Crossing” gehörte “Hangman’s Daughter”, die englische Version von Oliver Pötzschs historischem Thriller “Henkerstochter”. Inzwischen wurde die von Amazon neu herausgebrachtete Fassung “Hangman’s Daughter” mehr als eine Million mal verkauft, wenn man Printbuch, Hörbuch und E-Book zusammenzählt. Auch die prominente Self-Publishing-Autorin Emily Bold war bereits seit 2013 bei Amazon Crossing unter Vertrag – und kann nun zum Start des deutschsprachigen Imprints auch hierzulande von Amazons mächtiger Vermarktungsmaschine profitieren.

Anders als die deutschsprachigen Kindle Singles wird es die Belletristik-Titel über die Amazon-Tochter Createspace auch gedruckt geben – und vielleicht sogar in deutschen Buchhandlungen. Bereits bei den Verlagsaktivitäten in den USA war es erklärtes Ziel von Amazon, den Vertrieb über ein reines Online-Angebot hinaus auszudehnen. Der Anfang gestaltete sich jedoch schwierig, denn sowohl große Ketten wie Barnes & Noble wie auch viele Indie-Buchhändler boykottieren die unliebsame Internet-Konkurrenz. Mit einem speziellen Partner-Programm gelang es Amazon jedoch inzwischen, erste Breschen in diese Mauer der Ablehnung zu schlagen. Großzügige Buchhandelsrabatte kann Amazon dank niedriger Druckkosten ohnehin bieten.

Gerade für Indie-AutorInnen dürfte aber letztlich etwas ganz anderes zählen – Amazon verspricht als verkaufsstärkste Online-Plattform im deutschen Buchhandel nicht nur hohe Absatzraten, sondern als Verlagsbuchhandlung 2.0 auch deutlich höhere Tantiemen, als sie klassische Verlage jemals geboten haben. Distinktionsgewinne durch analoge Regalpräsenz sind solchen NachwuchsschriftstellerInnen egal, sie möchten vom Schreiben gut leben können – und Amazon ermöglicht es ihnen. Die traditionstrunkene Gutenberg-Galaxis echauffiert sich derweil darüber, dass “der Algorithmus Verleger werden will”, oder blickt abschätzig auf ein US-Unternehmen, dass “Masse absaugen, aber keine Klasse bekommen [wird]”.

Abb.: Flickr/Darwin.Wins

2 Kommentare »

  • 5 Lesetipps für den 19. März - Netzpiloten.de schrieb:

    […] IMPRINTS e-book-news.de: Amazon-Imprints bald auch in deutschen Buchhandlungen erhältlich?: Erst die Kurzstrecke, nun der Marathon: Amazon Publishing erweitert die Verlags-Aktivitäten in […]

  • Anonymous schrieb:

    Andernorts…

    Wieder eine Woche rum. Wieder gibt es neue Sachen in diesem Internet. Es ist verrückt. Hier sind ein paar…