Von der Crowd für die Crowd: Newsgrape, das Youtube für Texte – jetzt offen für alle

Die Zeit der exklusiven Zugangscodes ist vorbei: Newsgrape ist seit Mitte Juni in der offenen Beta-Phase. Mehr als tausend registrierte Nutzer zählt das „Youtube für Texte“ mittlerweile, zahlreiche Autoren sorgen alleine oder im Team für Content. Die Macher von Newsgrape haben nichts weniger vor als Online-Texting neu zu erfinden. Angefangen hat das Projekt auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter. Dort sammelten die Gründer Felix Häusler und Leo Fasbender bis Anfang 2011 das notwendige Starkapital. In etwas mehr als zwei Monaten spendeten insgesamt 114 Unterstützer mehr als 12.000 Dollar, bis dato einer der größten Erfolge für Crowdfunding in Deutschland.

Vernetzung von Lesern & Autoren

Ähnlich wie Youtube setzt Newsgrape auf die intensive Vernetzung von Nutzern & Autoren. Man kann sich gegenseitig abonnieren, kommentieren, bewerten, und sogar via Direktnachrichten Kontakt aufnehmen. Zudem ist ein „Promotion-Modul“ geplant, um eigene Artikel über externe soziale Netzwerke zu bewerben. Umgekehrt ist auf dem eigenen Profil auf Newsgrape auch Platz, um Twitter- und Facebook-Streams einzubinden. Nutzer haben übrigens neben ihrer Profilseite auch eine eigene Medienzentrale, E-GO genannt. Dort finden sich die aktuellsten Texte der abonnierten Autoren, bzw. der abonnierten Magazine. Denn Newsgrape ermöglicht kollaboratives Schreiben. Man kann als Herausgeber eines E-Mags andere Autoren einladen, sie können sich jedoch auch selbst bewerben. Ein Beispiel für solche Koproduktionen ist etwa das Newsgrape-Magazin E-Leseland.

Monetarisierung über Google-Adsense-Banner

Über den integrierten WYSIWYG-Editor lassen sich Texte schnell und komfortabel eingeben und mit Bildern oder Videos ergänzen. Neben einem normalen Artikel-Template gibt es Vorlagen speziell für Fotostrecken und Fortsetzungsgeschichten. Besonders sympathisch: Autoren behalten auf jeden Fall das Copyright an ihrem Material, sie können sich aber entscheiden, unter einer Creative-Commons-Lizenz zu publizieren. Auch bei der Monetarisierung gibt es Wahlfreiheit. So kann man etwa Twitter-Buttons einbauen, aber auch Google-Adsense-Banner. Demnächst soll außerdem die Nutzung von VG-Wort-Zählpixeln möglich sein.

Newsgrape & die kritische Masse

Genau wie in der Gründungsphase steht und fällt das Modell Newsgrape mit der Crowd. Um sich am Markt behaupten zu können, muss die Zahl der Nutzer und Autoren die kritische Masse erreichen. Die Voraussetzungen dafür stimmen schon jetzt: die Plattform ist leicht zu benutzen, gut designt und erlaubt vor allem zahlreiche Interaktionsformen. Wer die Möglichkeiten des Youtubes für Texte richtig einsetzt, kann demnächst wohl weitaus mehr „Eyeballs“ in den Bann ziehen als mit einem konventionellen Blog. Das wird sich dann auch finanziell rechnen. Genauso freuen dürfen sich aber die Leser. Denn quer durch alle Textgattungen könnte sich Newsgrape zu einem der interessantesten Portale im deutschsprachigen Web entwickeln – und das völlig ohne Bezahlschranken.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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