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Wie willst du lesen? Aktuelle E-Reader-Marktübersicht

17 Jul 2012 Ansgar Warner 8 Kommentare

Elektronisches Lesen könnte so simpel sein – wäre da nicht die Frage: Wie willst du lesen? Vernetzt oder unvernetzt, mit Touch-Screen oder mit Taste, auf E-Ink oder auf LCD? Spätestens seit iPad plus iBooks-App sind schließlich auch Multifunktions-Tablets zum Lesegerät mutiert. Auf dem Leitmarkt USA bieten klassische Buchhändler wie Barnes&Noble (Nook), aber auch Online-Plattformen wie Amazon (Fire) oder Kobo (Vox) längst günstige 7-Zoll-Lesetablets mit Android-Oberfläche an. Zusätzlich angeheizt wird der Wettbewerb durch Googles neues Nexus-Tablet. Denn auch der Suchmaschinenriese betätigt sich als Online-Buchhändler, und pflegt ein eigenes Ökosystem aus Lesegeräten und Apps. Gleichzeitig werden klassische E-Reader wie Kindle, Sony- oder Kobo-Reader immer Tablet-ähnlicher: Sie bringen einen eigenen Browser mit, man bedient sie mit dem Finger, man kann mit ihnen auf Twitter und Facebook posten. Die „GlowLight“-Funktion macht beim Nook – und bald wohl auch beim Kindle – sogar die Lektüre im Dunkeln möglich. Dass man E-Books drahtlos im integrierten E-Store shoppt und dank Apps und Syncing-Fähigkeit auf verschiedenen Geräten lesen kann, versteht sich dabei fast schon von selbst.

Lese-Tablets auf Android-Basis

Auf dem deutschen Markt sieht es momentan aber noch etwas übersichtlicher aus. Echte Lesetablets vom Nook über das Fire bis zum Vox werden hierzulande wohl erst zum Weihnachtsgeschäft an den Start gehen. Auch das kürzlich angekündigte neue Lese-Tablet von Trekstor lässt noch etwas auf sich warten. So stehen im 7- bis 8-Zoll-Bereich vor allem Low-Price-Angebote wie das „Weltbild-Tablet“ (CAT Nova), das schon etwas betagte Pocketbook IQ 701 sowie Trekstors Liro Color zur Auswahl. Mit Preisen zwischen 99 und 159 Euro sind solche Geräte nicht teurer als aktuelle E-Ink-Reader.

Ein vollwertiges Android-Tablet darf man dafür natürlich nicht erwarten, besonders hohen Lesekomfort genauso wenig. Denn die Bildschirmauflösung ist mit 800 x 600 Pixeln (CAT Nova, Liro Color) bzw. 800 x 480 Pixeln (IQ 701) eher gering, die Akkuleistung reicht nur für wenige Stunden, die Performance bleibt ingesamt mittelmäßig. Dafür kann man nicht nur E-Books und E-Comics online shoppen und lesen, sondern wie etwa im Fall des CAT Nova auch mal eine Runde Angry Birds spielen oder E-Mails checken, und das sogar unter Android 4.0 (Ice Cream Sandwich).

Wer mehr Lesekomfort möchte, sollte aber auf jeden Fall einen E-Ink-Reader wählen, wer mehr Multimedia möchte, visiert besser ein höherpreisiges Android-Tablet an. Darf es eine größere Bildschirmdiagonale sein, könnte das 10-Zoll-Gadget A 10 von Pocketbook interessant sein (ab 250 Euro), laut Hersteller ein “für das Lesen von E-Books optimierter Tablet-PC” auf Android-Basis, der mit allen gängigen E-Book-Formaten klarkommt. Wer die zur Zeit beste Bildschirm-Auflösung – 2048×1536 Pixel – genießen möchte, muss jedoch deutlich tiefer in die Tasche greifen. So viel Lesekomfort bietet bisher nur das Retina-Display des “neuen” iPads der dritten Generation.

Liro Color

  • Display: 7 Zoll Farb-TFT, 800 x 600 Pixel, Touchscreen resistiv
  • Gewicht: 216 g
  • Unterstützte Formate: epub (DRM), PDF (DRM)
  • Speicher: 4 GB intern, max. 32 GB extern
  • Schnittstellen: WLAN, Mikro-USB, SD-Slot, Kopfhörerbuchse
  • Preis: 99 Euro
  • Testbericht (E-Book-News)

Pocketbook IQ 701

  • Display: 7 Zoll Farb-TFT, 800 x 480 Pixel, Touchscreen resistiv
  • Gewicht: 516 g
  • Unterstützte Formate: epub (DRM), PDF (DRM), Kindle (via Kindle-App)
  • Speicher: 2 GB intern, max. 32 GB extern
  • Schnittstellen: WLAN, Mikro-USB, SD-Slot, Kopfhörerbuchse
  • Preis: 99 Euro
  • Testbericht (Netzwelt)

Weltbild Tablet (CAT Nova)

  • Display: 8 Zoll Farb-TFT, 800 x 600 Pixel, Multitouch kapazitiv
  • Gewicht: 500 g
  • Unterstützte Formate: epub (DRM), PDF (DRM), Kindle (via Kindle-App)
  • Speicher: 512 MB RAM, 4 GB ROM intern, max. 32 GB extern
  • Schnittstellen: WLAN, HDMI, Mikro-USB, SD-Slot, Kopfhörerbuchse
  • Preis: 159 Euro (Weltbild)
  • Testbericht (E-Book-News)

E-Reader mit Touch-Screen & WLAN/3G

Die Anhänger der Konvergenz-Theorie haben es ja schon immer geahnt: Touch-Screen und drahtlose Verbindung ins Netz sind auch bei E-Readern zum Standard geworden. Fehlt eigentlich nur noch farbiges E-Ink, um die letzte Scharte gegenüber Tablets auszuwetzen. Bevor nach dem konstrastarken “Pearl”-E-Ink das bunte “Triton”-E-Ink zum Einsatz kommt, muss man sich aber noch etwas gedulden.

Wer für aktuelle Touch-Screen-Geräte wie Kindle Touch, Sony Reader PRS-T1, Cybook Odyssey oder Pocketbook Touch zwischen 129 und 159 Euro anlegt, macht aber auf jeden Fall nichts falsch. Die Technologie ist rundum ausgereift. Mit dem Finger auf dem Display wird nicht nur umgeblättert, man kann auch Passagen markieren, einzelne Wörter im Lexikon nachschlagen oder die Schriftgröße ändern.

Der Bedienkomfort geht bei diesen Readern dank Infrarot-Technologie nicht mehr auf Kosten des Kontrastes, die Akkuleistung ist mit mehreren Wochen bis zu 2 Monaten beachtlich, der interne Speicher mit bis zu 4 Gigabyte geräumig genug für eine komplette E-Bibliothek. Auf einen integrierten E-Store muss man bei Sony und Pocketbook allerdings verzichten.

Wer sich echtes High-Speed-E-Ink gönnen möchte, sollte zu Cybooks Odyssey greifen, der von Thalia verkauft wird und auch den direkten Draht zum Thalia-Store mitbringt. Beim Kobo Touch, den man sogar schon ab 99 Euro bekommt, ist natürlich auch der Kobo-Store mit an Bord. Dafür bekommt man allerdings nur 1 GB Speicher, und auf den Genuss von Musik oder Hörbüchern muss man mangels Sound-Eigenschaften ebenfalls verzichten.

Kobo Touch

  • Display: 6 Zoll Pearl-E-Ink, Touch-Screen, 800 x 600 Pixel, 16 Graustufen
  • Gewicht: 200 g
  • Unterstützte Formate: epub (DRM), PDF (DRM), etc.
  • Speicher intern: 1 GB intern, max. 32 GB extern
  • Schnittstellen: Mikro-USB, SD-Slot, WLAN
  • Preis: 99 Euro
  • Testbericht (E-Book-News)

Cybook Odyssey

  • Display: 6 Zoll Pearl-E-Ink, Touch-Screen, 800 x 600 Pixel, 16 Graustufen
  • Gewicht: 195 g
  • Unterstützte Formate: epub (DRM), PDF (DRM), etc.
  • Speicher intern: 2 GB intern, max. 32 GB extern
  • Schnittstellen: Mikro-USB, SD-Slot, WLAN, Kopfhörerbuchse
  • Preis: 119 Euro (Thalia)
  • Testbericht (E-Book-News)

Kindle Touch

  • Display: 6 Zoll Pearl-E-Ink, Touch-Screen, 800×600 Pixel, 16 Graustufen
  • Gewicht: 213/220 g (WLAN/3G-Version)
  • Unterstützte Formate: Kindle-Book, PDF (kein epub!)
  • Speicher intern: 4 Gigabyte, benutzbar: 3 Gigabyte
  • Schnittstellen: Mikro-USB, WLAN; WLAN + 3G, Kopfhörerbuchse
  • Preis: 129 Euro (WLAN), 189 Euro (WLAN plus 3G)
  • Testbericht (E-Book-News)

Sony PRS-T1

  • Display: 6 Zoll Pearl-E-Ink, Touch-Screen, 800 x 600 Pixel, 16 Graustufen
  • Gewicht: 168 g
  • Unterstützte Formate: epub (DRM), PDF (DRM), etc.
  • Speicher intern: 2 GB
  • Schnittstellen: Mikro-USB, WLAN, Kopfhörerbuchse
  • Preis: 149 Euro
  • Test (E-Book-News)

PocketBook Touch 622

  • Display: 6 Zoll Pearl-E-Ink, Touch-Screen, 800 x 600 Pixel, 16 Graustufen
  • Gewicht: 195 g
  • Unterstützte Formate: epub (DRM), PDF (DRM), etc.
  • Speicher intern: 2 GB intern, max. 32 GB extern
  • Schnittstellen: Mikro-USB, SD-Slot, WLAN, Kopfhörerbuchse
  • Preis: 159 Euro
  • Testbericht (cme.at)

E-Reader mit WLAN/3G ohne Touch

Ob Touch-Screen nun das Non-Plus-Ultra ist oder nur Nice-to-have, bleibt letzlich Geschmackssache. Manche Tester haben bei den Touch-Readern immerhin die bisher üblichen Umblätter-Tasten vermisst, die durch eine ergonomisch auch nicht wirklich ideale Fingerwisch-Geste ersetzt wurden (beim Cybook Odyssey gibt es sie allerdings noch!).

Einen klaren Vorteil klassischer Tastengeräte sieht man beim Vergleich zwischen dem neuen Kindle Touch und dem Basismodell des Kindle der vierten Generation: Das ältere Gerät ist leichter und schmaler. Und übrigens auch deutlich günstiger. Als erster E-Ink-Reader mit WLAN knackte das Kindle schon im letzten Jahr die 99-Euro-Schwelle (bevor dann Kobo nachzog).

Als einziger Tasten-Reader hat der iRiver Story HD sogar etwas, was bisher sonst nicht einmal Touch-Modelle bieten: ein hochauflösendes Display mit 1.024 x 768 Pixeln. Das gestochen scharfe Bild sorgt für ein besonders ästhetisches Layout und verringert noch einmal den Augenstress. Dafür muss man aber auch mindestens 149 Euro auf den Tisch legen. Etwas günstiger, dafür aber nur mit normaler Display-Auflösung bekommt man das Basic-Modell 611 von PocketBook.

Kindle 4 Basismodell

  • Display: 6 Zoll Pearl-E-Ink, 800 x 600 Pixel, 16 Graustufen
  • Gewicht: 170 g
  • Unterstützte Formate: Kindle-Book, PDF (kein epub!)
  • Speicher intern: 2 GB, benutzbar: 1,25 GB
  • Schnittstellen: Mikro-USB, WLAN
  • Preis: 99 Euro
  • Testbericht (E-Book-News)

PocketBook 611

  • Display: 6 Zoll Pearl-E-Ink, 800 x 600 Pixel, 16 Graustufen
  • Gewicht: 175 g
  • Unterstützte Formate: epub (DRM), PDF (DRM), etc.
  • Speicher intern: 2 GB intern, max. 32 GB extern
  • Schnittstellen: Mikro-USB, SD-Slot, WLAN
  • Preis: 119 Euro
  • Testbericht (E-Leseratte)

iRiver Story HD

  • Display: 6 Zoll Pearl-E-Ink, 1.024 x 768 Pixel Pixel, 16 Graustufen
  • Gewicht: 207 g
  • Unterstützte Formate: epub (DRM), PDF (DRM), etc.
  • Speicher intern: 2 GB intern, max. 32 GB extern
  • Schnittstellen: Mikro-USB, SD-Slot, WLAN
  • Preis: 149 Euro
  • Testbericht (E-Book-News)

Low-Cost-Reader

Fast schon zur Rarität geworden ist unvernetztes Lesen auf E-Ink-Geräten, die nur über USB-Port und einen SD-Kartenslot mit der Außenwelt verbunden sind. Doch auch das hat seinen Reiz: Wer auf drahtloses Shoppen wie auch Social-Reading-Funktionen verzichten kann, entgeht nicht nur dem Datenhunger von Großkonzernen und Heimatschutzbehörden, sondern spart eine Menge Geld.

Bestes Beispiel ist der vom hessischen Unternehmen Trekstor produzierte Pyrus, der unter dem Namen Liro Ink auch über den Buchhandel vertrieben wird. Der robuste 6-Zoller beschränkt sich auf die Kernfunktion – das Lesen eben – doch bei Kontrast, Speicherplatz und Akkulaufzeit muss man keine Kompromisse eingehen. Für 70 Euro ein echtes Schnäppchen. Weniger sollte man für einen Reader zur Zeit nicht anlegen.

Ältere Preisbrecher aus dem Hause Trekstor sind eher mit Vorsicht zu genießen – die vor allem von Weltbild beworbene „ebook Reader 3.0“-Modelle mit LCD-Display erweisen sich als Netzhautpeitschen mit schwindsüchtigen Akkus. Auch nicht überzeugen kann ein Lowest-Cost-Reader wie der TouchMe, den Thalia zum letzten Weihnachtsgeschäft in die Schlacht geworfen hat – hier wird der Lesespaß auch noch durch einen träge reagierenden Touch-Screen geschmälert.

Trekstor Pyrus / Liro Ink

  • Display: 6 Zoll E-Ink, 800 x 600 Pixel, 16 Graustufen
  • Gewicht: 200 g
  • Unterstützte Formate: epub (DRM), PDF (DRM), etc.
  • Speicher intern: 4 GB intern, max. 32 GB extern
  • Schnittstellen: Mikro-USB, SD-Slot
  • Preis: 69 Euro
  • Test (E-Book-News)

TouchMe

  • Display: 7 Zoll Farb-TFT, 800 x 480 Pixel
  • Gewicht: 297 g
  • Unterstützte Formate: epub (DRM), PDF (DRM), etc.
  • Speicher intern: 8 GB intern, auf 16 GB erweiterbar
  • Schnittstellen: Mikro-USB, SD-Slot, Kopfhörerbuchse
  • Preis: 59 Euro
  • Testbericht (ebook-fieber.de)

eBook Reader 3.0

  • Display: 7 Zoll Farb-TFT, 800 x 480 Pixel
  • Gewicht: 373 g
  • Unterstützte Formate: epub (DRM), PDF (DRM), etc.
  • Speicher intern: 2 GB intern, max. 32 GB extern
  • Schnittstellen: Mikro-USB, SD-Slot, Kopfhörerbuchse
  • Preis: 59 Euro
  • Testbericht (E-Book-News)

Autor & Copyright: Ansgar Warner
Abb.: Flickr/Mike Kline(Intro), Hersteller (E-Reader)

(Eine ältere Fassung dieses Artikels erschien im Mai 2012 als Gastbeitrag auf neuerdings.com)

8 Kommentare »

  • Super Übersicht E-Book-Reader | Content Crew schrieb:

    [...] Wie willst du lesen? Aktuelle E-Reader-Marktübersicht » [...]

  • Steffen Meier schrieb:

    Nur auf die Schnelle ein DICKES Lob für diese (wichtige) Kärrner-Arbeit! Schöne Übersicht!

  • Ansgar Warner (author) schrieb:

    Dankeschön! Ich sage nur: oft kopiert, doch nie erreicht ;-)

  • Elektrisches Buch | ZAFUL schrieb:

    [...] e-book-news.de gibt es eine aktuelle Marktübersicht der zur Zeit erhältlichen Lesegeräte für elektronische Bücher. Sehr informativ. Share [...]

  • Eine aktuelle E-Reader Marktübersicht : Posted Planet schrieb:

    [...] Beitrag erschien ursprünglich auf http://www.e-book-news.de und ist einer der besten aktuellen Zusammenstellungen über die verfügbaren eReader. [...]

  • Das könnte Sie interessieren … (XV) | Lesen und gelesen werden – der Bücherblog schrieb:

    [...] Bis vor wenigen Monaten habe ich mir noch selbst die Mühe gemacht, auf die aktuelle Marktsituation bei E-Book-Readern einzugehen. Bis ich dann gemerkt habe, dass das jemand besser kann. Wer sich also einen Reader zulegen möchte, sollte erst einmal hier nachschauen. http://www.e-book-news.de/von-augenschmaus-bis-netzhautpeitsche-aktuelle-e-reader-marktubersicht/ [...]

  • Andreas Moreati schrieb:

    Nette Übersicht. Aber woher stammen die Daten zum Sony?
    Im verlinkten Artikel wird sowohl das Gewicht als auch die Ausstattung mit ySD-Karte unterschiedlich angegeben.

  • Ansgar Warner (author) schrieb:

    Ah, danke für den Hinweis. Da war meine Reader-Review vom November 2011 schon mal schlauer als die aktuelle Übersicht, richtig ist natürlich 168 Gramm.