Vom „Social Reading“ zum „Shared Reading“: Gemeinsames Vorlesen als neuer Offline-Trend

shared-reading„Social Reading“ war gestern. Inzwischen bekommt das gemeinsame Lesen und Diskutieren von Literatur in Online-Foren und Apps Konkurrenz aus der Offline-Welt. Das nennt sich „Shared Reading“. Konkret: Aus dem guten alten „Lesezirkel“ ist ein Vorlese-Zirkel geworden. Man trifft sich bei Tee und Cookies, trägt Texte vor und redet darüber. Erst werden die Texte zum Sprechen gebracht, dann die Leser.

„Das langsame Vorlesen, die Unterbrechungen zum Nachdenken – dies alles wirkt auf mich entschleunigend und fokussiert meine sonst so sprunghafte Aufmerksamkeit“, fasst eine Berliner Shared-Reading-Teilnehmerin den Effekt zusammen.

Angeleitet wird ein solches Shared-Reading-Treffen in der Regel von einem ausgebildeten „Facilitator“, im Zentrum steht jedoch der performative Effekt – der vorgetragene Text entfaltet eine ganz besondere Wirkung, er regt zum spontanen Gedankenaustausch an. Und vor allem auch dazu, einen Bezug zwischen dem Text und sich selbst herzustellen. Literatur wird hier also zum persönlichen Erlebnis, das man (mit-)teilen kann.

Begonnen hat der „proaktive“ Vorlese-Trend im britischen Liverpool (siehe thereader.org.uk, interessanterweise vor 20 Jahren, also genau in dem Moment, als das World Wide Web zu boomen begann und das Lesen sich in den virtuellen Raum verlagerte. Spätestens seit letztem Jahr ist „Shared Reading“ aber nun auch in deutschen Literaturhäusern und öffentlichen Bibliotheken zu einem festen Begriff geworden .

Das hat u.a. mit den Berliner „Literaturvermittlern“ Thomas Böhm und Carsten Sommerfeldt zu tun, die zu diesem Zweck die Plattform „literarischeunternehmungen.de“ betreiben. „Shared Reading“ findet zwar naturgemäß nur offline statt, die Verbreitung der Idee jedoch sehr stark online, in den sogenannten „sozialen Medien“. Es geht aber eben noch sozialer…

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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