Vom Kindle-Store nach Hollywood: Ridley Scott verfilmt Self-Publishing-Roman „Wool“

Zelluloid heißt der Stoff, aus dem auch die Träume von Self-Publishing-Autoren gemacht sind. Für Hugh Howey könnte dieser Traum jetzt auf direktem Wege wahr werden: die Filmrechte für seine dystopische Sci-Fi-Saga The Wool sind auf das Interesse der Produktionfirma 20th Century Fox gestoßen, bis 2014 könnte man die Geschichte schon auf der Leinwand sehen. Dem Insider-Blog Deadline Reports zufolge sollen für Drehbuch und Regie die Gebrüder Ridley und Tony Scott verantwortlich zeichnen, bekannt durch Blockbuster wie Bladerunner oder Top Gun. Die Story von Wool erinnert ein wenig an Hunger Games: In Howeys postapokalpytischem Sci-Fi-Thriller leben die restlichen Menschen allerdings nicht oberirdisch, sondern in einem riesigem unterirdischen Bunker, genannt das „Silo“. Als schlimmste Strafe gilt es, in die lebensfeindliche Außenwelt verbannt zu werden.

Die erste Folge von Wool kam im Sommer 2011 als Kurzgeschichte im Kindle-Store heraus. Motiviert durch viele positive Reviews veröffentlichte Howey dann in den folgenden Monaten weitere vier Teile. Die als „Omnibus Edition“ ebenfalls via Self-Publishing vermarktete Gesamtausgabe wurde wiederum zum Bestseller – mittlerweile rangiert sie in den Top 100 des Kindle-Stores, auf Platz 1 im Bereich „High Tech“-Sci-Fi sowie auf Platz 5 im Bereich „Adventure“. Wie beliebt Wool beim Publikum ist, zeigen fast 700 Rezensionen und eine Bewertung von 4.9 von 5 Sternen. Überzeugt sind aber auch die professionellen Kritiker von Wired.coms GeekDadReview: „Die alten Annahmen über Indie-Bücher sind nicht länger gültig, Leser müssen ihre (Vor-)Urteile den neuen Gegebenheiten anpassen. Die Omnibus-Ausgabe von The Wool ist ein großartiges Buch und verdient Anerkennung als ein vollwertiger Beitrag zum Science-Fiction-Genre.“

Amazons Kindle-Store spielte bereits bei bisherigen Self-Publishing-Erfolgen in den USA eine zentrale Rolle. So verkaufte etwa Shooting-Star Amanda Hocking die Vampirgeschichten der My Blood Approves-Serie mehr als eine Million mal elektronisch, bevor sie 2011 bei einem konventionellen Verlag unter Vertrag genommen wurde. Ende 2011 wurde sie Mitglied im erlauchten Club der Kindle-Auflagenmillionäre. Allerdings nicht als erste Self-Publishing-Vertreterin – kurz vor ihr schaffte es bereits Thriller-Autor John Locke mit seinen Donovan-Creed-Krimis. Dieser wiederum ist nun zumindest in gedruckter Form bei Simon&Schuster gelandet. Hugh Howey hat nun aber völlig neue Maßstäbe gesetzt – vom Kindle Direkt-Publishing-Programm ohne Zwischenhalt bei den „Buchmachern“ direkt auf die Leinwand. Die immer noch dynamisch wachsende Zahl der Kindle-Nutzer in den USA dürfte uns in Zukunft noch mehr solcher Rekorde bescheren.

(via teleread & Deadline Reports)

Abb.: Wikipedia


Hugh Howey,
Wool Omnibus Edition (Wool 1 – 5)
Kindle-Book (Amazon.de) 3,08 Euro
(Im Kindle-Store sind auch einzelne Bände verfügbar)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".