Vom E-Book zum Smartbook: Kann man das elektronische Buch der Zukunft anfassen, verleihen & verschenken?

smartbook-e-book-zum-anfass.gifE-Books zum Anfassen verspricht das Berliner Startup Smartmedia Technologies. Mit dem „Smartbook“ bekommt der Leser einen speziellen USB-Stick in die Hand, der ähnlich wie ein Cartridge für Spielekonsolen genutzt wird. Das smarte E-Book lässt sich nicht nur überall dort lesen, wo ein USB-Port vorhanden ist. Man kann es auch weitergeben oder verschenken – wie ein richtiges Buch. Nur downloaden kann man das Smartbook natürlich nicht. Das freut den stationären Buchhandel.

Smartmedia verbindet E-Books und USB-Sticks zu einem neuen Konzept

Bisher gibt es zwei Wege, um E-Books zu verkaufen: den Download im Internet oder den Kauf in der Buchhandlung – in diesem Fall landen die Daten erstmal auf einem USB-Stick. In beiden Fällen ist das E-Book selbst nicht greifbar, sondern erscheint nur auf dem Display von Rechner bzw. Verkaufterminal und schließlich auf dem E-Reader. Durch DRM-Schutz ist zudem die Nutzung gegenüber echten Büchern eingeschränkt – man kann die elektronischen Versionen zumeist nur auf eine begrenzte Anzahl von Geräten übertragen. Und vor allen Dingen: man kann E-Books weder umtauschen noch weitergeben. Harald Steinhausen, Christine Noll und Reginald Grünenberg wollen das ändern. Die Gründer des Berliner Perlen Verlages haben sich dazu mit dem Multimedia-Produzenten Christian Eckert zusammengetan und etwas neues entwickelt – das „Smartbook“. Wie e-book-news berichtete, wurde das Konzept gerade auf der Leipziger Buchmesse vorgeführt. Die kombinierte Hard- und Softwarelösung setzt auf einen technisch modifizierten USB-Stick. Die Idee erinnert an Cartridges für Spielekonsolen – zumindest von außen…

Schluss mit Orwell: Smartbooks lassen sich anonym kaufen und nutzen

smartbook e-book zum anfassen usb.gifIm Unterschied zum herkömmlichen Cartridge kann das “Smartbook” jedoch auf jedem beliebigen Endgerät mit USB-Port eingesetzt werden – die Spanne reicht von Laptop oder Desktop-PCs bis zu modernen TV-Geräten. Die neue Materialität dieser E-Book-Variante kommt dem physischen Buch sehr nahe: “Der Kunde hält ein Produkt in der Hand, dass er Anfassen, Verleihen, Verschenken und ggf. weiterverkaufen kann”, heißt es dazu bei Smartmediatec. Ähnlich wie ein richtiges Buch lässt sich das “Smartbook” somit vollkommen anonym kaufen und nutzen – da Trägermedium und Software sich nicht voneinander trennen lassen, ist keine Registrierung auf einem DRM-Server mehr erforderlich. Auf den Speicher eines sogenannten Smart Media Sticks passt natürlich weitaus mehr als nur der Text eines einzigen Buches. Denkbar sind nicht nur ganze Bibliotheken, sondern auch erweiterte Multimedia-Angebote, ähnlich wie beim us-amerikanischen Vook-Konzept. Für den stationären Buchhandel dürfte der Vorteil natürlich auf einer ganz anderen Ebene liegen: das Smartbook kann man schließlich nicht downloaden – so bietet sich der Verkauf vor Ort an. Völliges Neuland betreten die Buchhändler damit nicht, schließlich bieten sie zum Teil ja auch schon Cartridges für Spielekonsolen an.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

5 Gedanken zu „Vom E-Book zum Smartbook: Kann man das elektronische Buch der Zukunft anfassen, verleihen & verschenken?“

  1. Das klingt zwar alles schön und gut, aber wirkliche technische Details konnte ich bisher dazu nicht finden. So wird zwar von einer kombinierten Software/Hardware-Lösung gesprochen, allerdings nicht, welche Vorraussetzungen entsprechende Geräte bieten müssen.

    Das lesen auf einem Rechner oder Fernseher ist ziemlich unkonfortabel, das Lesen auf einem eBook-Reader bedeutet aber, dass die Daten entweder so vorliegen, dass sie problemlos gelesen werden können, oder diese Geräte speziell dafür angepasst wurden.

    Da die Daten wohl nie frei zugänglich gespeichert werden, bedeutet das, dass die Lesegeräte entsprechend angepasst werden müssen. Was wiederum heißt, dass alle aktuellen Lesegeräte erst mal _nicht_ zum lesen eines Smartbooks in Frage kommen!

    Auch wenn ich generell die Technik interessant finde, halte ich sie für nicht praktikabel, so lange die Daten nicht frei – sprich ohne DRM und Beschränkungen einer Spezial-Software – vorliegen. Denn nur dann ist garantiert, dass jetzige, und zukünftige Geräte die Smartbooks lesen können…

    Zumal sich auch bei Smartbooks die Frage stellt, was passiert bei einem technischen Defekt? Und kann ich ein Smartbook in die Mikrowelle packen, und danach weiter lesen? Wie gut verträgt es sich mit dem Sonnenlicht, oder dem Regen…

    1. Tja, sehe ich ähnlich: die meisten Probleme im E-Book-Bereich könnte man durch den Verzicht auf restriktiven Kopierschutz/DRM lösen. Aber aus Sicht des Buchhandels hat so ein Cartridge-ähnliches Ding natürlich was für sich, diese Form der E-Books geht dann wirklich wieder über den Ladentisch. Wie man die Backup-Frage bei dem Smartmedia-Konzept lösen will, würde mich auch interessieren…

  2. Pingback: newstube.de

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