„Vom Buch zum Byte. Kurze Geschichte des E-Books“ (Preview, Teil 2)

„Geboren am 4. Juli“ könnte man die Geschichte des E-Books überschreiben. Denn genau an diesem Tag im Jahr 1971 tippte der amerikanische Student Michael Hart den Text „Declaration of Independence“ in das Keyboard eines Mainframe-Rechners. Pünktlich zum 41. Geburtstag des E-Books erscheint am 4. Juli 2012 mein neues Buch „Vom Buch zum Byte“. Die spannende Geschichte des elektronischen Lesens von den ersten Buchstaben auf flimmernden PC-Bildschirmen bis zum E-Ink-Zeitalter gibt’s natürlich zum Start exklusiv als E-Book (Multiformat-Paket epub/mobi/PDF). Als kleinen Vorgeschmack veröffentlicht E-Book-News in den nächsten Wochen einen „Vorabdruck“ in mehreren Folgen – der erste Teil („Born on the 4th of July“) ist bereits online, heute gibt’s den zweiten Teil. Alle weitere Infos zum Buch gibt’s auf der Website vom-buch-zum-byte.de

Computer als E-Text-Replikator

Mit der „Declaration of Independence“ als erstem E-Text der Welt war nicht nur technisch, sondern auch konzeptuell der Grundstein für das „Project Gutenberg“ gelegt: wenn alles, was in den Computer eingegeben wurde, sich in unendlicher Zahl vervielfältigen ließ, dann konnte man mit Hilfe dieser „Replikator-Technologie“ so viele Bücher wie möglich für so viele Menschen wie möglich verfügbar machen, und zwar kostenlos. Das enthusiastische „Mission Statement“ lautete:

„Encourage the Creation and Distribution of eBooks“
„Help Break Down the Bars of Ignorance and Illiteracy“
„Give As Many eBooks to As Many People As Possible“

Die unbegrenzte Verbreitung funktionierte freilich nur bei Texten, die nicht mehr urheberrechtlich geschützt waren. Michael Hart war zwar kein Freund des Copyrights, aber auch kein Datenpirat. Somit bestand und besteht die virtuelle Bibliothek des Project Gutenberg vor allem aus Werken, die vor 1900 geschrieben wurden. Bei technischen Beschränkungen gab sich der Erfinder des E-Books allerdings kompromisslos. Um die elektronischen Texte buchstäblich auf 99 Prozent aller bestehenden und zukünftigen Hardware lesbar zu machen, setzte Hart auf den strengen Standard des ASCII-Codes (American Standard Code for Information Interchange), scherzhaft auch „Plain Vanilla ASCII“ genannt. Kursivierungen, Fettdruck oder Unterstreichungen wurden in Großbuchstaben verwandelt.

Harts ambitioniertes Ziel bestand darin, bis zum Jahr 2000 mindestens 10.000 Bücher zu digitalisieren. Das schien Anfang der Siebziger Jahre reine Utopie, denn die Texte mussten mühsam abgetippt und auf Fehler überprüft werden. Bis 1987 kopierte der Gründer von „Project Gutenberg“ in seinem modernen Skriptorium – zusammen mit fleissigen Helfern – auf diese Weise immerhin mehr als 300 Werke aus dem Bereich der „Public Domain“.

(Fortsetzung folgt)

Autor&Copyright: Ansgar Warner
Abb.: Coverausschnitt, Entwurf: Susanne Weiß/weisspunkt.org

Über Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".