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Vom Browser-War zum App-War? Wie Apple auf dem iPad den Wettbewerb einschränkt

1 Mrz 2010

vom browser war zum app war wie apple auf dem ipad den wettbewerb verhindert.gifKindle-App, txtr-App, Kobo-App: Auf Apples iPad werden in Sachen E-Books zahlreiche Mitbewerber präsent sein. Trotzdem dürfte iBooks eine zentrale Stellung behalten – ähnlich wie iTunes. Denn das bequeme In-App-Shopping erlaubt Apple für digitale Güter nur in eingeschränktem Rahmen – und kassiert dabei kräftig ab. So bleibt nur der vergleichsweise Umweg über den Safari-Browser. Wird Apple bald zum Fall für die Wettbewerbshüter – ähnlich wie Microsoft?

Kleine Desktop-Revolution: Windows-Nutzer haben jetzt die Wahl


Auf dem Desktop der Windows-Welt passiert ab heute so etwas wie eine kleine Revolution – zumindest in Europa. Über ein automatisches Update werden die Nutzer aufgefordert, eine Wahl zu treffen: welcher Browser darf es sein? Als Alternative zum Internet Explorer bietet die „Choice Screen“ u.a. Google Chrome, Firefox oder Opera an. Dahinter steckt ein „Gentlemen’s Agreement“ zwischen Microsoft und der EU-Kommission, das die Wettbewerbsbedingungen auf den Computerbildschirmen verbessern soll. Was hat das mit Elektronischem Lesen zu tun, könnte man fragen. Die Antwort lautet: sehr viel. Denn schließlich hat Microsofts vorinstallierter Browser in Europa einen Marktanteil von fast 50 Prozent. Das heißt: ob wir Online-Nachrichten lesen, bei Wikipedia recherchieren oder einen Twitter-Feed verfolgen – in einem von zwei Fällen tun wir das zu 100 Prozent mit Microsoft-Technik.

App-Store lässt grüßen: Auch in der Apple-Welt wird der Wettbewerb verhindert


In der Apple-Welt sieht es auf den ersten Blick etwas anders aus – allein schon deshalb, weil nur etwa jeder zehnte Computer weltweit überhaupt ein Mac ist. Doch der Platzhirsch ist in diesem Fall nicht der Safari-Browser, sondern iTunes. Seit seiner Einführung vor neun Jahren hat die Multi-Media-Plattform sich in Verbindung mit dem iTunes Store nicht allein zum wichtigsten Marktplatz für Musik-Downloads entwickelt. Durch den mit iTunes verbundenen App Store für iPhone und iPod Touch wird Apples E-Commerce-Lösung immer wichtiger für mobilen Content aller Art, von Zeitungen und Zeitschriften bis hin zu E-Books & E-Comics. Die Wettbewerbsbedingungen sind dabei weitaus härter als auf dem Microsoft-Desktop – was sich auf dem neuen iPad noch einmal verstärken wird. Neben iBooks werden dort wohl auch Anwendungen wie etwa die Kindle App präsent sein. Doch die Mitbewerber auf dem Markt für mobilen Content haben bereits auf dem iPhone erfahren müssen, dass Steve Jobs seine „Gatekeeper“-Funktion geschickt ausnutzt. Besonderer Stolperstein: das In-App-Shopping.

Ob E-Books oder E-Comics: Apple beschränkt das In-App-Shopping für digitale Güter ein


Einkaufen per Mausklick bzw. per Finger-Tipp ist nicht nur bequem für die Kunden, sondern vor allem für die Anbieter das A&O des E-Commerce – die Kaufentscheidung des Konsumenten kann schließlich direkt in die Tat umgesetzt werden, ohne Wartezeit und weitere psychologische Barrieren. Theoretisch läuft das In-App-Shopping unabhängig von Apple – Anbieter können ihre eigene Abrechnungstechnik einsetzen und erhalten den gesamten Umsatz.
In der Praxis erlaubt Apple dies jedoch nur für „physische Güter“, also alles vom Print-Buch bis zur Waschmaschine. Diese Erfahrung musste Amazon machen, als es die Kindle-App bei Apple zur Genehmigung vorlegte. Relativ schnell war klar: da wird nichts draus.

Kommt nach dem Browser-Krieg nun der App-Krieg?


Bei „digitalen Gütern“ sehen die Regularien des App Stores nämlich die Nutzung von Apples eigenem E-Commerce-System vor, inklusive einer Umsatzbeteiligung von 30 Prozent. Wer das nicht will, muss wie Amazon auf das bequeme In-App-Shopping ganz verzichten. Statt dessen muss man die App verlassen und im Safari-Browser die Website des Anbieters öffnen und sich dort einloggen. Gegenüber solchen Wettbewerbsbedingungen scheinen die „Browser-Kriege“ auf dem Microsoft-Desktop fast als harmloses Scharmützel. Denn wenn der alternative Browser auf dem PC erst einmal installiert ist, gibt es keine weiteren Nutzungbeschränkungen. Auf dem iPad wird zukünftig mit deutlich härteren Bandagen gekämpft. Letzlich bleibt den iBooks-Mitbewerbern deshalb wohl nur ein Weg – niedrigere E-Book-Preise. Und vielleicht die Hoffnung auf die europäischen Wettbewerbshüter.

(via Silicon Alley Insider)