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Virtuelles Alpenglühen: Literaturort Schweiz als interaktive Online-Karte

13 Mrz 2014

„Auftritt Schweiz“ heißt ein interessantes Lesebuch, das den Auftritt der Eidgenossen auf der Leipziger Buchmesse 2014 begleiten soll – und sich u.a. mit der Frage beschäftigt: Was ist typisch Schweizerisch? Man könnte eigentlich auch gleich mal fragen: Wer hat’s erfunden? Ob Kaiserschnitt, Comic, Logarithmentafel, Beutelsuppe oder Alufolie – die Antwort kennen Sie. Genau, die Schweizer. Klickt man die Website auftritt-schweiz.ch an, kann man eine weitere Entdeckung machen: die Schweizer sind ganz groß darin, literarische Räume mit allerneuester Web-Technologie in interaktive Karten zu verwandeln.

Auf insgesamt 6 solcher literarischen Landkarten zum Anklicken wird der Literaturort Schweiz in bisher ungekannter Weise plastisch vor Augen geführt – neben den unvermeidlichen Liebes- und Todesorten fiktiver Romanpersonen oder gedanklichen Reisen von A nach B wird man so etwa auch zu utopischen Orten geführt, an denen die Realgeschichte auf dem Papier kräftig umgekrempelt wurde: Was wäre passiert, wenn Lenin 1917 nicht die Schweiz verlassen hätte? Wie hätte Zürich ausgesehen, wenn ab 1961 hier statt in Berlin die Mauer gebaut worden wäre? Was bleibt von der Schweiz nach dem Dritten Weltkrieg, oder nach einem Vulkanausbruch?

Aber zum Glück gibt’s Helvetien ja immer noch – und dank der literarischen Landkarten lernt man das Land jetzt ganz neu kennen: als ein komplexes Netz aus gedanklichen Verbindungen, die das Territorium als Mental Map mindestens genauso prägen wie es im realen Leben das Streckennetz der Schweizerischen Bundesbahn tut. Gar so typisch schweizerisch ist die literarische Landkarte dann aber auch nicht – denn Literatur ist letztlich immer international, sie hält sich nicht an Grenzen, in einem ohnehin schon viersprachigen Land erst recht nicht. Das zeigt sehr schön auch eine Übersichtskarte, die Zuschreibungen reichen hier von deutsch-dänisch über schweizerisch-kurdisch bis japanisch.

Hinter dem cleveren Verortungs-Projekt stecken nicht ganz zufällig Barbara Piatti und Anne-Kathrin Weber – die Baseler Literaturwissenschaftlerin und die Zürcher Kartografin beschäftigen sich schon eine ganze Weile mit der interaktiven Visualisierung literarischer Geodaten. Wie gut das funktioniert, kann man sich en detail auf der von ihnen konzipierten Website literaturatlas.eu anschauen. Dort geht’s nämlich darum, den Prototypen eines digitalen literarischen Atlas Europas an den Start zu bringen – und damit auf neue Weise zwei alte Fragen zu beantworten: Wo spielt Literatur, und warum spielt sie dort?

Abb.: Screenshot