„Think with your hands“: Virtueller Pencil trifft auf virtuelles Paper

Steve Jobs liebte die radikale Vereinfachung – was am Ende u.a. zum iPad führte, einem PC ohne Tastatur, Maus oder gar Stylus. O-Ton Jobs: „Erst hat man ihn, dann legt man ihn weg, dann ist er weg, Bäh! Niemand will so etwas“. Schönes Konzept, theoretisch. Doch in der Praxis möchte nicht jeder Nutzer alles mit dem Finger auf dem Display erledigen, im Zweifelsfall geht man dann doch lieber stiften. Das weiß auch Georg Petschnick, CEO des Startups „Fiftythree“, das mit der virtuosen Graphik-Anwendung „Paper“ die iPad-App des Jahres 2013 geschaffen hat: einer selbst initiierten Martkstudie zufolge werden Eingabstifte am iPad sogar drei bis fünf mal häufiger genutzt als Bluetooth-Tastaturen. So kann es auch nicht überraschen, dass es parallel zu „Paper“, der App jetzt auch „Pencil“, den Stylus gibt.

Wobei: Pencil heißt ja einfach nur Bleistift, das ist aber deutlich untertrieben – es handelt sich um einen Stylus, der daher kommt wie ein massiver Vierkant-Zimmermannsbleistift, der von Manufactum designt wurde. Die De-Luxe-Variante mit Walnuss-Optik gibt’s für 60 Dollar, eine schwarz lackiert Version schon für 50 Dollar. Tippt man mit der vergoldeten Spitze kurz auf das aktuell geöffnete Zeichenblatt der Paper-App, wird der Stift automatisch aktiviert und angekoppelt („Kiss to Pair“). Eine Akkuladung reicht für einen Monat Bluetooth-Betrieb.

Gezeichnet werden kann dann in ganz natürlicher Haltung, die Berührung des Displays mit der Handfläche wird von der App ignoriert. Mit der flachen Endfläche des Pencils kann man radieren. Zum Auftragen und Verwischen von Farben innerhalb gezeichneter Linien nutzt man den Finger, fast wie im richtigen Leben. „Think with your hands“, fasst man bei Fiftythree das intuitive Konzept von virtuellem Papier plus Bleistift zusammen. Während die Zusatzfeatures nur innerhalb von Paper genutzt werden können, funktioniert Pencil mit anderen Apps und auch auf anderen Touch-Screen-Geräten als normaler Stylus ebenfalls.

Dank einer Kooperation von Fiftythree mit Moleskine lassen sich die am iPad kreierten Skizzen, Graphiken und Illustrationen übrigens auch stilvoll zu (echtem) Papier bringen – man kann sie direkt aus der App als ein Print-On-Demand-Skizzenbuch im Original 4:3-Format zum Preis von 40 Dollar bestellen.

Abb.: Fiftythree.com

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".