Virtueller Besuch in der Buchhandlung mit Google Streetview

Von wegen Google „Streetview“ – mit der Panorama-Kamera des Suchmaschinenriesen werden seit 2011 auch Museen, Galerien und Geschäftsräume abgelichtet. Natürlich darf man sich das nicht vorstellen wie den Vorspann der Kultserie „Nackte Kanone“, es fährt kein Auto mit Blaulicht durch die Innenräume, fotografiert wird zu Fuß. Doch der räumliche Effekt beim „Google Business Photo“-Programm ist vergleichbar. Auf der Facebookseite von O’Reilly Tools of Change gab es jetzt einen besonders interessanten Tipp: Per Mausklick kann man virtuelle Spaziergänge durch reale Buchhandlungen unternehmen, so etwa bei „Tattered Cover“ in Denver. Dank 360-Grad-Winkel und hoher Auflösung erzeugt die Streetview-Perspektive auch zwischen den Regalen und Büchertischen einen fast unheimlichen Eindruck der Telepräsenz. Tatsächlich kann man sich so nah heranzoomen, dass sich problemlos die Titel auf den Buchrücken lesen lassen.

Bisher kein echtes Shopping-Erlebnis

Wie Piotr Kowalzyk auf ebookfriendly berichtet, bietet sich in einer anderen Buchhandlung aus Denver (Capitol Hill Books) via Streetview sogar ein Blick in ein aufgeschlagenes Buch. Bis zum echten Shopping-Erlebnis dürfte es aber wohl noch etwas dauern: Bücher aus den Regalen nehmen und in ihnen blättern kann man schließlich nicht. Außerdem handelt es sich wie bei den Straßenansichten auch um Momentaufnahmen, die nicht regelmäßig aktualisiert werden. Die Aufnahmen bei „Tattered Cover“ etwa stammen vom September 2011. Aber auch so könnten die Innenansichten der Gutenberg-Galaxis gutes tun – machen sie doch Lust darauf, wieder mal in die reale Buchhandlung zu gehen.

Werden deutsche Verlage Buchrücken verpixeln?

Anders als beim normalen Streetview-Programm müssen sich Geschäfte für eine Aufnahme bei den „Business Photos“ bewerben – und stehen mittlerweile Schlange. Denn sowohl in der normalen Google-Suche wie auch bei Google Maps sorgt das virtuelle Schaufenster für deutlich bessere Sichtbarkeit, und somit für mehr Umsatz. In Deutschland ist dieser Service bisher noch nicht verfügbar, was wohl neben dem sakrosankten Datenschutz auch an einer mangelnden Kultur des „fair use“ liegt. Am Ende würden die Verlage – siehe den Streit um’s Leistungsschutzrecht – ihre Buchrücken wahrscheinlich verpixeln lassen…

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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