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VG-Wort Tantieme nur für DRM-freie E-Books im PDF-Format?

29 Jul 2013

Je mehr Medien, desto mehr Tantiemen, könnte man denken. Stimmt aber leider nicht ganz – zumindest, wenn es um Ausschüttungen der VG Wort an E-Book-AutorInnen geht. Denn wie Buchreport erfahren hat, gibt’s für elektronische Titel im weit verbreiteten Standard-Format epub bisher überhaupt keine reguläre Vergütung. „E-Books können momentan nur gemeldet und vergütet werden, wenn es sich um nicht kopiergeschützte PDF-Dokumente handelt“, teilte die Verwertungsgesellschaft dem Branchenblog auf Anfrage mit. Während epubs vor allem im Bereich der Unterhaltungsliteratur und für Mobilgeräte genutzt werden, finden E-Books im PDF-Format vor allem noch im Sach- und Fachbuchbereich Verwendung – in den meisten Fällen mit Adobe DRM geschützt.

Die Grundregel Nummer Eins lautet bei der VG Wort dagegen: nur wenn ein Werk kopiert werden kann, lässt sich mit der Geräteindustrie über entsprechende Abgaben (der berühmte „Kopierpfennig“) verhandeln. Hartes DRM soll aber genau das verhindern – und verhindert damit zugleich auch die Möglichkeit, Tantiemen der Verwertungesellschaft einzustreichen. Für ein Sach- oder Fachbuch mit mehr als 100 Seiten werden bei der VG Wort immerhin satte 800 Euro ausgeschüttet. In die lange Liste von Argumenten gegen Kopierschutz darf man also getrost auch den Punkt „Kopierpfennig“ aufnehmen. Allerdings verhält sich die VG Wort gegenüber mobilen elektronischen Lesegeräten ohnehin sehr zurückhaltend, u.a. offenbar deshalb, weil nicht klar sei, ob mit solchen Gadgets überhaupt „vergütungsfähige Privatkopien erstellt werden können“.

Zumindest bei kopierschutzfreien epub-Dateien gilt aber: Kopieren geht nicht nur, es handelt sich auch um eine gängige Praxis, alleine schon, da E-Books mittlerweile auf mehreren Geräten gleichzeitig genutzt werden, etwa E-Reader, Tablet und Smartphone. Mal ganz abgesehen davon, dass selbst im Rahmen von Adobe DRM die jeweilige Lizenz zum Lesen mehr als nur eine Kopie auf einem Gerät erlaubt. Außerdem werden epub-Dateien zunehmend von Bibliotheken genutzt – und auch für die Ausleihe ihrer Werke steht den Urhebern laut Gesetz eine Vergütung zu, die „Bibliothekstantieme“.

Damit Autoren ihre Rechte überhaupt via VG Wort wahrnehmen (lassen) können, sollten die entsprechenden Titel über eine ISBN-Nummer verfügen und über den Buchhandel lieferbar sein. Bei Fach- und Sachbüchern muss zudem die Verbreitung in mindestens fünf öffentlichen Bibliotheken nachgewiesen werden bzw. der Verkauf von mindestens 100 Exemplaren. Urheber im Bereich Belletrisitk erhalten eine Tantieme, die sich an den tatsächlich registrierten Ausleihvorgängen bemisst – pro Checkout gibt’s etwa drei Cent. Im Jahr 2012 gehörten zu den Ausschüttungsempfängern der VG Wort übrigens neben knapp 6000 Verlagen auch mehr als 150.000 AutorInnen.

Abb.: flickr/Uncaino (cc)