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Vertiefende Lektüre: Google-Feature „In Depth Articles“ soll Premium-Content hervorheben

Die Filter-Bubble erweitert sich: mit dem neuen Feature „In Depth Articles“ gibt die US-Version der Suchmaschine ab jetzt für ausgewählte Stichworte auch Tipps zur vertiefenden Lektüre. Am unteren Ende der Seite wird zu diesem Zweck ein umrandetes Kästchen mit 3 passenden Artikeln aus zuverlässiger Quelle angezeigt. „Um ein breiter angelegtes Thema zu verstehen, braucht man mehr als nur eine schnelle Antwort“, heißt es dazu auf dem offiziellen Google Search Blog. „Unsere Daten zeigen, dass etwa zehn Prozent der Informationen, die täglich gesucht werden, in diese Kategorie passen.“ Interessanterweise wird zur Illustration dann ausgerechnet das Thema „Censorship“ gewählt: Googles neues Feature verweist in diesem Rahmen etwa auf einen Artikel von Salman Rushdie im New Yorker und auf einen Artikel von Google-Schmidt im britischen Guardian. „High-Quality“ heißt dabei übrigens nicht unbedingt brandaktuell – Googles Algorithmen suchen vor allem nach Artikeln, die eine längere Halbwertszeit haben.

Das zeigte auch unser Versuch mit den Stichworten „Kindle Reader“ und „Self-Publishing“. Im Fall des Kindle-Readers empfiehlt Google etwa Wired („How to do (Almost) Everything With a Kindle 3“, 2010), den New Yorker („Kindle and the future of Reading“, 2009) sowie Verge („Amazon Kindle Fire HD review“, 2012). Für den schnellebigen Gadget-Markt deutlich zu angestaubt. Sucht man nach Self-Publishing, empfiehlt Google den Guardian („Amanda Hocking, the writer who made millions by self publishing online“, 2012), die NYT („Amanda Hocking, Storyseller“, 2011) und das WSJ („How Darcie Chan Became a Best-Selling-Author“, 2011). Immerhin schon etwas brauchbarer. Noch aktueller war das Ergebnis beim Thema „3 D Printing“, hier kam dann auch ein Forbes-Artikel aus dem Jahr 2013 vor, in dem es um Handfeuerwaffen aus dem 3D-Drucker geht. Insgesamt scheint das Feature die besten Ergebnisse für sehr allgemeine Begriffe zu liefern.

Was genau als „Top 3“ zur vertiefenden Lektüre angezeigt wird, können Webseiten-Betreiber laut Google durch eine möglichst suchmaschinenkonforme Gestaltung der Metadaten beeinflussen. Besonders wird dabei auf das „Authorship Markup“ hingewiesen, also Informationen zum Autor des Artikels, die Google dabei helfen, zu einem Themengebiet die relevanten Autoren bzw. Experten zu finden. Neben Nachrichtenportalen oder E-Mags könnten natürlich auch Buch-Verlage das neue „In Depth“- Feature nutzen, um etwa einzelne Kapitel eines Sachbuchs zu featuren – was natürlich voraussetzt, das der Text im Web frei verfügbar ist und eine eigene URL besitzt. Tatsächlich dürfte unter Relevanz-Kriterien so manches Buchkapitel gute Chancen haben, in den Top 3 aufzutauchen. Bis auf weiteres funktioniert das neue Feature allerdings ausschließlich in der englischsprachigen Suche auf Google.com – die aus Deutschland nur indirekt zu erreichen ist, in dem man die Browsercookies löscht und in der Adresszeile „google.com/ncr“ eingibt (für „No Country Relocation“).

Abb. Screenshot

(Via The Future of Publishing)

Über Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".