Verleihnix-Praxis am Ende? EuGH-Urteil stützt E-Book-Verleih durch Bibliotheken

eugh-stuetzt-verleihreicht-fuer-ebooksKommen endlich mehr E-Books in unsere Bibliotheken – inklusive von Belletristik-Bestsellern? Eine aktuelle Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) könnte dazu führen — es stellt nämlich E-Books und Print-Bücher rechtlich auf die gleiche Stufe. Gedruckte Titel können öffentliche Bibliotheken ganz normal einkaufen und für die Ausleihe zur Verfügung stellen. Bei E-Books mussten bisher dagegen bisher spezielle Verleih-Lizenzen erwerben — soweit die Verlage überhaupt dazu bereit waren.

„One-copy-one-user“-Modell ist rechtens

Nun befanden die Richter am Luxemburger EuGH jedoch: solange es sich um das „One-copy-one-user“-Modell handelt — d.h. per Digital-Rights-Management geregelte Leihfristen — sei die E-Book-Ausleihe mit der Print-Buch-Ausleihe vergleichbar, und befinde sich somit in Übereinstimmung mit einer EU-Richtlinie 2006/115/EG zum Vermiet- und Verleihrecht.

Im Wortlaut wird festgestellt, es handele sich um „Verleihen“ im Sinne der Richtlinie, „wenn dieses Verleihen so erfolgt, dass die in Rede stehende Kopie auf dem Server einer öffentlichen Bibliothek abgelegt ist und es dem betreffenden Nutzer ermöglicht wird, diese durch Herunterladen auf seinem eigenen Computer zu reproduzieren, wobei nur eine einzige Kopie während der Leihfrist heruntergeladen werden kann und der Nutzer nach Ablauf dieser Frist die von ihm heruntergeladene Kopie nicht mehr nutzen kann.

Bibliotheksverband froh, Börsenverein sauer

Anlass der Entscheidung war ein Rechtsstreit zwischen dem niederländischen Bibliotheksverband „Vereniging Openbare Bibliotheken“ (VOB) und der Verwertungsgesellschaft „Stichting Leenrecht“, den das Bezirksgericht Den Haag wegen der europarechtlichen Dimension dem EuGH vorgelegt hatte.

Während der Deutsche Bibliotheksverband das Urteil ausdrücklich begrüsst, hagelte es Kritik vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels: Der Verleih eines E-Books unterscheide sich grundsätzlich von dem eines gedruckten Buchs, argumentiert auch weiterhin die Lobby der Buchhändler und Verlage.

(via irights.info & Buchreport)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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