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Verlagsbranche bremst Kindle aus: E-Books erscheinen mit 3 Monaten Verspätung

10 Dez 2009

Bild_flickr_CarbonNYC.jpgErst Hardcover, dann E-Book, dann Taschenbuch: Führende US-Verlage wollen ab 2010 die Erstveröffentlichung von E-Books auf dem Kindle für drei Monate hinausschieben. Sowohl Simon&Schuster wie auch die Hachette Book Group haben entsprechende Pläne angekündigt. Sie wollen damit verhindern, dass Romane ihrer Bestseller-Autoren von Anfang an zu dem von Amazon durchgesetzten Schwellenpreis von 9,99 Dollar zu haben sind.

Nicht E-Books, sondern Hardcover-Ausgaben sind bisher die Cash-Cow der Verlage


E-Books auf dem Amazon Kindle haben sich in den USA zum echten Schlager entwickelt – mittlerweile kommen auf 100 verkaufte Print-Bücher fasf fünfzig elektronische Versionen. Für viele große Verlage wird dieser Erfolg allerdings zum Ärgernis – sie fürchten um die Einnahmen, die sich mit hochpreisigen Hardcover-Versionen erzielen lassen. Viele Neuerscheinungen mit steifem Rücken gehen traditionell für 20 bis 30 Dollar über den Ladentisch. Für E-Books hat Amazon dagegen den niedrigen Schwellenpreis von 9,99 Dollar durchgesetzt. Mittlerweile gehen selbst Bestseller wie Dan Browns Freimaurer-Thriller Lost Symbol gleichzeitig als Hardcover und E-Book an den Start. Nun wollen allerdings zwei große Verlage ausscheren: Simon&Schuster wie auch die Hachette Book Group treten kräftig auf die Bremse. „Der richtige Platz für das E-Book ist nach der Hardcover-Ausgabe und vor dem Taschenbuch“, so Carolyn Reidy, Vorstandschefin von Simon & Schuster gegenüber dem Wall Street Journal. Drei Monate sollen die Leser in Zukunft warten, bevor sie einen Bestseller auch auf ihren E-Book-Reader laden können.

„Wir müssen jetzt handeln, bevor zu viele E-Reader auf dem Markt sind“


„Natürlich werden einige Leser enttäuscht sein“, räumte Reidy gegenüber dem Wall Street Journal ein. Und legte eine etwas abenteuerliche Begründung nach: „Es ist aber leider so: die E-Book-Verkäufe boomen, und es kommen immer mehr Reader auf den Markt. Deswegen müssen wir jetzt handeln, sonst werden so viele Geräte auf dem Markt sein, dass dieser Schritt nicht mehr möglich ist.“ Tatsächlich dürften allein in diesem Jahr wohl bis zu drei Millionen E-Reader in den USA verkauft worden sein. Der E-Book-Anteil am gesamten Buchmarkt liegt in den USA allerdings bisher erst bei etwa einem Prozent. Die Verlage übertreiben aber offenbar gerne ein bisschen:
„Wir tun das nur, um unsere Branche zu erhalten“, so David Young, Vorstandschef von Hachette. „Ich kann mich ja nicht einfach zurücklehnen und untätig zuschauen, wie über Jahre aufgebaute Autoren plötzlich zu Dumping-Preisen über den Tresen gehen.“ Ob das im Interesse der Autoren liegt, bleibt aber zweifelhaft: denn gerade Bestseller lassen sich natürlich als E-Book in kurzer Zeit in viel größeren Dimensionen absetzen als Print-Ausgaben. Es handelt sich hier wohl um eines der Rückzugsgefechte des Gutenberg-Zeitalters. Wie mächtig die Beharrungskräfte sind, zeigt nicht zuletzt das deutsche Beispiel. Im hiesigen Leseland wären viele Kunden froh, wenn es drei Monate nach dem Erscheinen der Hardcover-Ausgabe eine epub-Version zum Download gäbe. Bisher heißt die Reihenfolge zumeist: Erst Hardcover, dann Taschenbuch, und dann irgendwann E-Book.