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„Verlage, die nicht auf ‚Digital First‘ setzen, schaden ihren Autoren“ (Russ Grandinetti, Amazon)

14 Okt 2013 0 Kommentare

Einen „fundamentalen Wandel der Buchbranche“ prophezeite Russ Grandinetti, Amazons Vizechef für Kindle-Content, auf der Publishers Launch-Konferenz im Rahmen der Frankfurter Buchmesse (Stichpunkte und Folien des Vortrags siehe slideshare). Als hätte es diesen Wandel nicht schon gegeben… Doch tatsächlich gilt es für die Onliner noch eine wichtige Bastion der Gutenberg-Galaxis zu schleifen: In den USA werden 2014 erstmals mehr als 50 Prozent aller Bücher (Print plus Digital) via Internet verkauft, Großbritannien erreicht diese Schwelle wohl ein Jahr später, und spätestens 2015 dürfte auch Deutschland folgen. Wenn sich der Buchmarkt so stark verändert, muss sich natürlich auch das Denken verändern – und zwar ebenfalls in Richtung Online.

Online bald auch bei uns stärkster Absatzkanal

„Ein Verleger, der bei der Vermarktung nicht der Devise ‚Digital First‘ folgt, schadet seinen Autoren“, postulierte Grandinetti. Sich selbst schadet er aber wohl auch. Das zeigen Zahlen von Simon & Schuster: ein rasch auf 25 Prozent angestiegener Digital-Anteil des Angebots hat dem Verlag zuletzt ein Umsatzplus von 13 Prozent beschert – der Kindle-Store hat hier wohl eindeutig die Bilanz gerettet. Die zentrale Rolle von E-Books zeigt erst recht ein Blick auf Amazon selbst: in den USA wie auch Großbritannien verkauft das Unternehmen bereits deutlich mehr elektronische Bücher als Print. Auch diese Entwicklung lässt sich Grandinetti zufolge auf Märkte wie Deutschland oder Japan übertragen, in denen der Kindle-Store deutlich später an den Start ging: „Ich sehe keinen Grund, warum diese Länder nicht den selben Weg einschlagen werden“.

Print-On-Demand: nicht nur für die Backlist?

Doch auch beim Print-Verkauf müssten Verlage umdenken – und stärker in Richtung Print-On-Demand denken, nicht nur bei der Backlist, sondern auch bei aktuellen Bestsellern. Als Paradebeispiel diente Grandinetti dabei J K Rowlings unter Pseudonym veröffentlichter Kriminalroman „The Cuckoos Calling“: kaum war im Sommer 2013 die Autorschaft der Harry-Potter-Erfinderin bekannt geworden, da explodierten die Verkaufszahlen, doch die konventionell im Voraus gedruckte Auflage war schnell ausverkauft. Bevor der vom Erfolg überraschte Verlag reagieren konnte, wichen viele Kunden erstmal auf die E-Book-Ausgabe aus. Mit Print-On-Demand dagegen, so die These, hätte man während der Nachfragespitzen deutlich mehr Exemplare aus Papier verkaufen können.

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