Verbuchung statt Tabletisierung: Kindle Oasis plus Akku-Cover startet, ab heute vorbestellbar

kindle-oasis-mit-leder-cover-jetzt-vorbestellenMit dem Launch des Kindle Oasisist Amazon eine doppelte Überraschung gelungen: im Kern hat sich deutlich weniger geändert, als viele vermutet haben – kein Liquavista-Display, sondern das von Kindle Voyage und Paperwhite gewohnte E-Ink mit 300 ppi Auflösung. Drumherum gibt’s jedoch erstaunlich viel Neues zu entdecken: mehr seitliche LEDs sorgen für größere Helligkeit, die Glasabdeckung wurde ebenfalls optimiert. Vor allem geht Amazon bei der äußeren Form völlig neue Wege: unter dem Display ist der Reader mit nur noch 3,4 Millimetern deutlich verschlankt worden, an einer der beiden Längsseiten dagegen deutlich verdickt und verbreitert – dem Unternehmen zufolge „verlagert eine ergonomische Haltefläche den Schwerpunkt auf die Handfläche“, sodass das Lesegerät „wie ein Buchrücken“ in der Hand liegt. Im „Buchrücken“ befinden sich auch veritable Umblättertasten.

Cover-Akku sorgt für 10 Wochen Laufzeit

Insgesamt ein beinahe quadratisches Design, das sich von der bisherigen Modellpallette sichtbar abhebt. Spürbar ist auch der Gewichtsunterschied: Der blanke Reader ist mit 130 Gramm viel leichter als die Vorgängermodelle, deren Gewicht zwischen 180 und 200 Gramm pendelt. Aber die Besonderheit des Kindle Oasis ist ja gerade, dass der Reader mit maßgeschneidertem Leder-Cover (Farbvarianten: Schwarz, weinrot, hellbraun) angeboten wird, das per Magnet-Kopplung Verbindung zum Lesegerät aufnimmt. Das gesamte Ensemble wiegt mit 240 Gramm so viel wie ein gutes Taschenbuch. Die Lesedauer wird durch den im Cover versteckten Akku auf zehn Wochen geboostet, das Kindle Oasis hält dagegen nur 2 Wochen durch.

Kindle-Oasis-Farbpallette-der-Leder-Cover

Deutlich teurer als bisherige Kindle-Modelle

Abgesehen vom technisch abgespeckten Einsteigermodell „Kindle“ (mit Touchscreen, ohne Frontlight, geringere E-Ink-Auflösung) hat Amazon nun drei 6-Zoll Geräte mit Glowlight und hochauflösendem Carta E-Ink im Angebot, die preislich von 120 Euro (Kindle Paperwhite) über 190 Euro (Kindle Voyage) bis zu 290 Euro (Kindle Oasis) rangieren, wobei der saftige Aufpreis für das neue „Gnubbel-Kindle“ natürlich zum größten Teil dem edlen Cover aus echtem Leder geschuldet sein dürfte. Das Kindle Oasis ist damit übrigens auch das erste nicht-vegane Mobilgerät von Amazon — was in den USA bereits zu ersten Protesten geführt hat.

Buchähnlicher statt tablet-ähnlicher

Doch was ist wohl die Strategie hinter dem Kindle Oasis — abgesehen von der reinen Diversifizierung des Angebots? Amazon scheint offenbar darauf zu wetten, dass die Zukunft des klassischen E-Readers nicht unbedingt darin liegt, vom äußeren her immer Tablet-ähnlicher zu werden, sondern eher darin, buchähnlicher zu werden, nicht nur beim Display selbst, sondern auch bei Optik und Haptik des gesamten Gerätedesigns. Die 2015 präsentierten Bookerly-Fonts und die verbesserte Seitendarstellung gehen ebenfalls in diese Richtung, auch die jetzt noch einmal verlängerte Akkulaufzeit. Mit einem von Amazon parallel entwickelten Solar-Cover, das demnächst wohl ebenfalls erhältlich sein wird, könnte das Kindle sich möglicherweise sogar komplett von der Steckdose abnabeln…

Kindle Oasis mit Ladehülle vorbestellen

Markstart für das Kindle Oasis ist in Deutschland der 27. April, seit heute kann das Kindle Oasis vorbestelltwerden – die WLAN-Version gibt’s für 290 Euro, die WLAN/3G-Version für 350 Euro. Lieferbar ist das Kindle Oasis in den Cover-Farben Schwarz, Bordeaux (rot) sowie Walnuss (braun).

Kindle Oasis Specs:

Display: 6 Zoll E-Ink Carta, 1448×1072 Pixel (300ppi Auflösung)
Gewicht: 130 Gramm (Reader), 110 Gramm (Cover)
Speicher: 4 Gigabyte
Schnittstellen: Mikro-USB, WLAN, 3G (optional)
Besondere Features: mitgeliefertes Leder-Cover mit integriertem Akku
Akkulaufzeit: 10 Wochen (inkl. Akku-Cover), 2 Wochen (Reader ohne Cover)
Preis: 290 Euro (WLAN); 350 Euro (WLAN/3G)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".