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Vaporware für Premium-Kunden: Plastic Logic verschiebt Start des Que-Readers auf unbestimmte Zeit

28 Jun 2010

vaporware-que-reader.gifVaporware gibt’s offenbar auch im Premium-Bereich – Plastic Logic hat den Start des Que-Readers erneut verschoben. Selbst Vorbestellungen wurden annulliert. Das 11-Zoll-Gerät mit Touch-Screen und WLAN/UMTS war erstmals Anfang 2010 auf der CES in Las Vegas präsentiert worden. Je nach Modell sollte der monochrome E-Ink-Reader zwischen 649 und 799 Dollar kosten.

Der Que-Reader sollte die Regeln der Branche verändern – und ein neues Hochpreis-Segment etablieren

Apples Tablet eilte von Anfang an der Ruf als „Game Changer“ voraus – und tatsächlich scheint das iPad die Regeln der E-Reader-Branche nachhaltig zu verändern. Bisher war das vor allem im Mittelfeld zu merken. Von Sony über Amazon bis zu Barnes&Noble reagierten Mitbewerber zuletzt mit drastischen Preissenkungen. Noch kritischer ist die Lage für Lesegeräte, die noch gar nicht auf dem Markt sind. Das Berliner Startup txtr hält seinen gleichnamigen Reader weiterhin zurück, dem niederländischen Hersteller iRex haben die Banken gerade den Geldhahn zugedreht. Mit Plastic Logic steht nun aber ausgerechnet ein E-Ink-Projekt vor dem Aus, das selbst die Regeln der Branche verändern wollte – durch die Etablierung eines Hochpreis-Segments für Business-Kunden. Verkaufen wollte man den Que-Reader u.a. über das Filialnetz von Barnes&Noble. Dessen E-Store sollte auch für drahtlosen Lesestoff sorgen.

Technisch bot der Que-Reader nichts neues – nur ein paar mehr Zoll auf dem Display

Die Lektüre von E-Books stand bei Plastic Logics Lesegerät allerdings nicht unbedingt im Vordergrund. Das zeigte schon die gewählte Display-Größe. Denn mit 8,5 mal 11 inches entsprach sie haargenau dem amerikanischen Bürostandard (“Letter”-Format). Neben dem problemlosen Umgang mit Dokumenten im Word- oder PDF-Format sollte der QUE auch den direkten Draht zum E-Mail-Account, Kalender & ToDo-Liste ermöglichen. Die Qualität ließ sich Plastic Logic einiges kosten. Die Produktion siedelte das kalifornische Unternehmen in seinem Dresdner Werk an – man setzte also auf „Silicon Saxony“ statt auf „Silicon Valley“ bzw. „made in China“. Mit dem hohen Einstiegspreis von 649 Dollar lag der Que-Reader deutlich über dem großen Amazon Kindle wie auch der Basis-Version des iPads, ohne mehr zu bieten als ein paar Zoll Platz auf dem Display. Dem Wired-Magazin gegenüber verkündete Plastic Logic nun, man wolle den Que-Reader noch einmal technisch überarbeiten, um ihn an den sich rasch wandelnden Markt anzupassen. Die Marktanpassung wird wohl darin bestehen, dass der bisherige Prototyp des Que-Readers komplett ins Technikmuseum wandert. Wirklich konkurrenzfähig dürfte Plastic Logic auch im Hochpreis-Segment nur mit farbigen E-Ink-Displays sein – die auch schon angekündigt sind, allerdings für 2012.