USA: E-Books stürmen Bestseller-Liste – kaum noch Print-Bücher in Top 50

Zum Jahresanfang werden die Bestseller-Listen in den USA erneut vom „Post-Weihnachts-Syndrom“ überrollt. Wie USA Today berichtet, haben E-Books die Print-Titel aus der Bestseller-Liste der Tageszeitung fast komplett verdrängt: „The latest list, based on sales data from Dec. 26 to Jan. 1, shows a remarkable burst of digital book sales after e-readers were unwrapped as gifts — for 42 of the top 50 titles, the e-book editions were the most popular format“. Traditionell werden in den USA die Weihnachtsgeschenke am 25. Dezember ausgepackt – und das heißt: es werden auch unzählige mobile Gadgets eingeschaltet, mit denen sich digitale Güter herunterladen lassen. Einen vergleichbaren „Christ-Kindle“-Effekt auf die Bestseller-Liste gab es bereits nach Weihnachten 2010. Unter den Top 50 der meistgekauften Titel befanden sich neben Paperback- und Hardcoverausgaben plötzlich 19 E-Books. Der nächste E-Book-Boom wurde dann im Sommer 2011 verzeichnet. Unmittelbar nach dem Start der neuen Kindle-Reader-Modelle war mit 25 E-Book-Titeln exakt die Hälfte der Top 50 elektronisch.

Der starke Anstieg nach Weihnachten wird vor allem auf den Erfolg von Amazons Fire-Tablet zurückgeführt – Forrester Research zufolge wurden seit dem Launch am 16. November 2011 bereits mehr als 5 Millionen Geräte verkauft. Nur einen Tag später, am 17. November, brachte Amazons Hauptkonkurrent Barnes&Noble das neue Nook Tablet in den Handel. Von diesem ebenfalls mit Android betriebenen Siebenzoller wurden bis dato geschätzte zwei Millionen Exemplare verkauft. Eine wichtige Rolle kommt zudem auch Apple zu – Santa Claus hat potentiellen Leserinnen und Lesern in den USA auch Millionen iPads der zweiten Generation beschert. Dem Analysten Michael Norris von Simba Information zufolge liest in den Vereinigten Staaten bereits jeder fünfte Erwachsene elektronische Bücher, entweder auf E-Ink-Displays oder auf dem Touch-Screen eines Tablets oder Smartphones.

Bereits im letzten Jahr verdoppelten E-Books in den USA ihren Marktanteil von 10 auf 20 Prozent . Angesichts der aktuellen Entwicklung könnte dieser Anteil in den nächsten zwei bis drei Jahren auf 50 Prozent anwachsen. Gerade im Bereich von günstigen Taschenbüchern („Mass Market Paperbacks“) verzeichnete die Print-Branche im letzten Jahr zweistellige Rückgänge. Das Beispiel Barnes&Noble zeigt jedoch auch die Abhängigkeit vom jeweiligen Vertriebsmodell – die größte US-Buchhandelskette verzeichnete im Weihnachtsgeschäft erstmals ein leichtes Plus beim Absatz gedruckter Lektüre. Offenbar gelang es durch „Nook Boutiques“ genannte Verkaufszonen üfr E-Reader bzw. Tablets und kostenloses W-LAN in den mehr als 700 Filialen insgesamt mehr Kunden anzusprechen als zuvor. Profitiert haben dürfte das Unternehmen aber auch von der Pleite der zweitgrößten US-Buchhandelskette Borders.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".