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US-Studie: Je durchlässiger die Paywall, desto weniger Zeitungs-Leser springen ab

paywall-online-zeitungen-paid-contentWenn Zeitungen ihre Online-Inhalte hinter Paywalls verstecken, geht das auf Kosten der Reichweite. Diese Erfahrung machte zumindest große Blätter wie das Wall Street Journal oder die Londoner Times. Der New York Times steht dies mit der Einführung ihres „metered access“-Modells in diesem Jahr möglicherweise noch bevor – jedoch nicht zwangsläufig. Neue Ergebnisse aus den USA scheinen diese Gesetzmäßigkeit der negativen Paywall-Bilanzen zu relativieren. Laut Journalism Online kommt es nämlich darauf an, wie durchlässig die Paywall ist.

„Paywalls are a nonevent for 95 percent of the people“

Der Auswertung von Erfahrungen zufolge, die zwei Dutzend kleinere und mittlere US-Zeitungen gemacht haben, kann man mit flexiblen Bezahl-Modellen die Leserverluste bzw. Rückgang von Seitenaufrufen auf etwa zehn bis zwanzig Prozent begrenzen. „If you set this meter conservatively which we urge people to do, it’s a nonevent for 85, 90, 95 percent of the people who come to your Web site“ so Steve Brill von Journalism Online gegenüber der New York Times. Die meisten der untersuchten Zeitungen würden zwischen fünf und zwanzig kostenlose Zugriffe pro Monat zulassen und ihre Digi-Abos für Preise zwischen 3,95 und 10,95 Dollars anbieten.

„Keine Zeitung kann sich allein mit Anzeigen finanzieren“

Mit anderen Worten: kassiert wird ausgerechnet bei den treuen Lesern – so lange die nicht im wahrsten Sinne des Wortes die Seite(n) wechseln. Bei Journalism Online gehört der Glaube an Paid Content ungeachtet dieses Dilemmas zum Prinzip, unter anderem betreibt das Unternehmen die Plattform press+, eine Art digitalen Kiosk, der Lesern mit einem Passwort den Zugang zu möglichst vielen kostenpflichtigen Seiten ermöglichen soll. Zur zentralen Firmenphilosophie gehört Steve Brills Postulat, dass auch zukünftig keine Online-Zeitung sich allein durch Anzeigenerlöse finanzieren kann. Zahlen müssen bald wohl auch regelmäßige New York Times-Leser, doch mehr als 20 Dollar pro Monat zu kassieren, traut sich auch die „Graue Lady“ nicht.

Über Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".