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US-Buchmarkt auf dem Kopf: Self-Publisher verlegen achtmal so viele Titel wie klassische Verlage

30 Sep 2013 6 Kommentare

Eine schlichte Feststellung, doch sie hat es in sich: „Traditionelle Methoden, mit denen die Größe des Buchmarktes gemessen wird, haben den Einfluss der Self-Publishing-Bewegung bisher verdeckt“, so James O’Toole, Chef von New Publisher House. Wie es in Zukunft aussehen könnte, verrät der vom Beratungsunternehmen herausgegebene „State of Independence“-Report: das potentielle, bisher unausgeschöpfte Marktvolumen liege bei 52 Milliarden Dollar, und damit etwa doppelt so hoch wie der aktuell von klassischen Verlagen erzeugte Umsatz. Selbst wenn man Reprint und gemeinfreie Klassiker herausrechnet, werden via Self-Publishing schon jetzt acht mal mehr Titel verlegt als auf klassischem Weg. Die Zahl der Independent-Autoren übersteigt die der Verlagsautoren sogar um das 100-fache.

And the winner is: Amazon

Print-On-Demand wie auch E-Books gibt’s natürlich schon eine ganze Weile, doch die revolutionäre Umwälzung hat vor allem mit Amazon zu tun – auf dem US-Buchmarkt nimmt das Unternehmen als Verkaufsplattform, aber eben auch als Self-Publishing-Plattform eine zentrale Rolle ein. Via Createspace gedruckte Titel sind zudem in den USA optional auch über das Barsortiment lieferbar, nutzen also den stationären Buchhandel als Vertriebsschiene. Die Verlagsbranche, so der Report, leidet an diesem Umbruch gleich doppelt, denn im Verlauf des Strukturwandels gefeuerten Mitarbeiter werden als selbständige Verlagsdienstleister und Startup-Gründer „ironischerweise zum Wettbewerber ihrer früheren Arbeitgeber“. Die dankbarste Klientel dabei: Self-Publisher. Denn die Independent-Szene professionalisiert sich, der Bedarf an „professional publishing services“ vom Cover-Layout über das Lektorat bis zum Marketing soll alleine in der ersten Hälfte des Jahres 2013 um mehr als 50 Prozent gewachsen sein.

Indie-Szene professionalisiert sich

„Vom Zugang zu diesen Dienstleistungen werden die Self-Pubisher stark profitieren“, so der Report. „Die Nutzung dieser Angebote beseitigt in der Wahrnehmung des Publikums bisherige Defizite von Self-Publishing-Titeln. Bisher waren solche Dienstleistungen einer der wichtigsten Vorteile von Verlagen.“ Das traditionelle Geschäft der Verlage, so der Report, droht an die Wand zu fahren – denn neben der Masse an Independent-Titeln diktiert die Self-Publishing-Bewegung auch deutlich niedrigere Buchpreise. Außerdem würden die Verlage daran leiden, dass auf dem Buchmarkt nicht das Verlagslabel, sondern der Autorenname als Marke wahrgenommen wird. Doch gerade Bestseller-Autoren könnten in Zukunft verstärkt von Bord gehen, wenn die Bedingungen nicht stimmen, oder sogar von neuen Mitbewerbern wie Amazon abgeworben werden.

Was ist mit Deutschland?

Fragt sich natürlich: Und was ist mit Deutschland? Interessanterweise hat ja die Frankfurter Buchmesse das Self-Publishing medienwirksam zum Top-Thema des Jahres 2013 gemacht. In den Messehallen selbst werden jedoch mal wieder die Produkte von klassischen Verlagen das Bild bestimmen, ein Bild, das aber die tatsächlichen Marktstrukturen verschleiern dürfte. Dank der Erfolge Amazon & Co. vermitteln nicht nur die offiziellen Bestseller-Listen einen falschen Eindruck – überhaupt messen die Branchenstatistiken den Wandel der Gutenberg-Galaxis wohl nur äußerst unzureichend. Der alte König im Leseland, vielleicht ist er auch in seinem Exil (=Buchmesse) längst nackt.

Abb.: New Publisher House

6 Kommentare »

  • habbel schrieb:

    beeindruckender Artikel, fragt sich welche Branche als nächstes dran ist wo sich die Geschäftsmodelle komplett drehen.

  • Video-Interview: Tad Williams zum Thema Selfpublishing schrieb:

    […] er eine Menge wirk­lich kluge Dinge sagt, da irrt der Meis­ter ver­mut­lich. Erst ges­tern be­rich­tete Ans­gar War­ner auf e-book-news dar­über, dass die ver­leg­ten Ti­tel in Sa­chen Self­publis­hing in den USA jene der […]

  • Webperlen: Schriftsteller als Netzverächter, Immobilien-PR und die BuzzFeed-Falle schrieb:

    […] das die Zukunft des Schreibens? Erstaunliche Zahlen (via) über Self-Publisher finden sich im “State of Independence”-Report: Wie es in Zukunft aussehen könnte, verrät der vom Beratungsunternehmen herausgegebene „State […]

  • die ennomane » Links der Woche schrieb:

    […] US-Buchmarkt auf dem Kopf: Self-Publisher erzeugen doppelt so viel Umsatz wie klassische Verlage: […]

  • Newsletter 9. Oktober 2013 | kulturimweb.net schrieb:

    […] literarischen Scheiterns gleichkam, revolutioniert er heute den US-amerikanischen Buchmarkt: Self-Publisher verlegen achtmal so viele Titel wie klassische Verlage. Dennoch warnt Wissenschaftsjournalistin Aleks Krotoski davor, die Macht organisierter Buchverlage […]

  • Buchbranchenjammer | spezialpublikationen schrieb:

    […] US-Buchmarkt auf dem Kopf […]