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“Urheber wollen niemanden verprellen”: iRights-Experte Matthias Spielkamp im Gespräch über DRM&Kopierschutz

25 Mai 2010 Ansgar Warner 5 Kommentare

irights-spielkamp-interviewWarum kann man ein Hörbuch kopieren, ein E-Book aber nicht? Darf Amazon die Bücher auf dem Kindle löschen? Wozu braucht Aristoteles DRM-Schutz? Urheberrecht im virtuellen Zeitalter gibt selbst Juristen so manches Rätsel auf. Die Macher von irights.info sind angetreten, eine Schneise durch den digitalen Rechte-Dschungel zu schlagen. E-Book-News sprach mit Projektleiter Matthias Spielkamp über alltägliche Risiken und Nebenwirkungen des elektronischen Lesens.

Nur zum privaten Gebrauch: Digitales Urheberrecht für Konsumenten und Produzenten

Digitale Güter beherrschen den Alltag von PC-Besitzern, Musikhörern und Lesern -- sie erreichen ihre Nutzer dabei zumeist per Download. Doch was man mit heruntergeladenen Programmen, Musikfiles oder E-Books machen darf und was nicht, ist vielen Anwendern unbekannt. Das ist auch kein Wunder: Die gewohnten Regeln für Waren, die man noch anfassen konnte, werden durch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der elektronischen Content-Lieferanten oft ausgehebelt. Manche Fragen -- wie etwa das Umtauschrecht -- müssten theoretisch erst von Gerichten geklärt werden. Seit 2005 ist irights.info angetreten, für mehr Transparenz im multimedialen Alltag zu sorgen. Die Website will eine “systematische, sachliche und allgemein verständliche Darstellung der Aspekte und Regelungen des geltenden Urheberrechts” bieten, soweit es um den privaten Gebrauch geht. Dabei geht’s nicht nur um den passiven Konsum, sondern auch um die Medienproduktion: welche Rechte hat man eigentlich als Urheber, wenn man Texte, Bilder, Filme oder Musik im Internet verfügbar macht? E-Book-News hat mit irights-Projektleiter Matthias Spielkamp darüber gesprochen, welche Aspekte in punkto Kopierschutz und Digital Rights Management beim elektronischen Lesen eine Rolle spielen. Vertiefende Informationen bekommt man übrigens nicht nur auf der irights.info-Seite, sondern auch in dem von Matthias Spielkamp und seinen Kollegen herausgegebenen Buch/E-Book “Urheberrecht im Alltag: Kopieren, bearbeiten, selber machen”.

Vom Recht zum iRecht, und zu irights.info: Wie alles begann

“Wir haben gesagt, es muss eigentlich eine Web-Site geben, die mit einer Art Community-Beteiligung die Veränderungen im Urheberrecht beobachtet, nicht aus rein juristischer Perspektive, sondern aus Verbraucherschutz-Perspektive”

“Es gibt diesen World Intellectual Copyright Treaty, der ist von 1996. In dem ist noch mal neu international festgelegt worden, was erlaubt und was verboten werden soll. Das haben viele Menschen dann im Alltag gemerkt, etwa den rechtlichen Schutz für Kopierschutz, dass man keine DVD-Knackprogramme besitzen oder vertreiben darf”

“Bei mir hat das viel damit zu tun, dass ich Freiberufler bin. Ich habe 2000 zum ersten Mal einen ‘Total-Buyout’-Vertrag zugeschickt bekommen, wo also Verlage ihren Mitarbeitern schreiben, sie müssen sämtliche Rechte abtreten, für alles, nicht nur Datenbanken und Online. Das war dann von Anfang an für mich ein sehr politisches Thema.”

“Urheber wollen eigentlich niemanden verprellen”: Über Digital Rights Management und Kopierschutz

“Nutzer hassen Kopierschutz, davon kann man wirklich ausgehen. Je besser der Kopierschutz, desto unbemerkter, so bald er bemerkt wird, ist er natürlich ein rotes Tuch. Das beste Beispiel sind CDs mit Kopierschutz, die in der Autostereoanlage nicht funktionierten, weil sie dem CD-Standard nicht entsprachen.”

“Digital Rights Management ist viel mehr als Kopierschutz, das geht weit über das hinaus, was wir uns bei nicht-digitalen Werken vorstellen konnten. Selbst bei gemeinfreien Texte von Aristoteles kann mir der E-Book-Anbieter verbieten, dass ich etwas daraus ausdrucke.”

“Es ist nahezu unmöglich, die vollständige Kontrolle über digitale Güter zu haben. Man kann es natürlich 90 Prozent der Nutzer schwer machen, wie etwa bei Adobe Digital Editions, das ist zwar zu knacken, man muss aber wirklich technisch rumbasteln, und das machen die meisten Leute eben nicht.”

“Ein wirksamer Kopierschutz darf nicht umgangen werden -- aber wann ist er wirklich wirksam?”

“Ein wirksamer Kopierschutz darf nicht umgangen werden. Doch wann ist so ein Kopierschutz wirksam? Wenn ich eine CD in meinen Rechner lege und sage: mach mir da MP3s draus, dann macht der das. Bei E-Books muss man aber im Moment davon ausgehen, dass so etwas nicht ohne Spezialprogramme geht. Das ist dann tatsächlich nicht erlaubt.”

“Ich habe ganz starke Zweifel daran, dass die Begrenzung der Nutzungsdauer für E-Books rechtskräftig wird. Da würden die meisten Gerichte sagen: tut uns leid, da wird ein E-Book zum selben Preis wie ein gedrucktes Buch verkauft, und dann wird den Leuten gesagt sie dürfen das nur 30 Jahre auf ihren Geräten behalten, das halte ich für Unsinn.”

“Es gibt den Erschöpfungsgrundsatz. Ein Verlag darf natürlich sagen, dieses Buch darf nicht vervielfältigt werden. Aber er darf nicht darüber bestimmen, ob jemand ein Buch verschenkt, verkauft, zerreisst oder verbrennt. Das ist bei digitalen Gütern bisher anders. Stellen Sie sich vor, Sie kaufen sich eine Bibliothek aus E-Books zusammen, die ist dann vielleicht mehrere tausend Euro wert. Und die dürfen Sie nicht verkaufen? Also noch nicht mal zum Zeitwert, noch nicht mal für einen Euro, den man auf dem Flohmarkt dafür bekommen würde? Das ist eigentlich schwer vorstellbar.”

5 Kommentare »

  • newstube.de schrieb:

    “Urheber wollen niemanden verprellen”: irights-Experte Matthias Spielkamp über E-Books & Kopierschutz…

    Warum kann man ein Hörbuch kopieren, ein E-Book aber nicht? Darf Amazon die Bücher auf dem Kindle löschen? Wozu braucht Aristoteles DRM-Schutz? Urheberrecht im virtuellen Zeitalter gibt selbst Juristen so manches Rätsel auf. Die Macher von irights….

  • Immateriblog.de - Matthias Spielkamp über Immaterialgüter in der digitalen Welt schrieb:

    [...] Hier ein Ausschnitt, in dem es darum geht, warum Nutzer Kopierschutz hassen, warum DRM mehr ist als Kopierschutz und welche ungeklärten Fragen sich beim Eintatz digitaler Wasserzeichen stellen. Den Rest gibt’s bei e-book-news.de. [...]

  • Bibliothekarisch.de » Blog Archive » DRM für E-Books – Risiken und Nebenwirkungen des elektronischen Lesens schrieb:

    [...] (2008), das ist persönlich auch heute noch als Einstieg in die Materie nur empfehlen kann. E-Book-News hat mit Matthias Spielkamp über Kopierschutz und Digital Rights Management (DRM) in bezug auf [...]

  • Bibliothekarisch.de » Blog Archive » links for 2010-05-25 schrieb:

    [...] e-book-news.de » Blog Archive » “Urheber wollen niemanden verprellen”: irights-Experte Matthia… RT @spielkamp: Wozu braucht Aristoteles DRM-Schutz? A. Warner hat mich für e-book-news.de befragt: http://bit.ly/bSvExR #drm #urheberrecht (tags: drm twitter_automatisch urheberrecht) [...]

  • Wozu braucht Aristoteles DRM? – Der Schockwellenreiter schrieb:

    [...] Ansgar Warner von den e-book-news hat Matthias Spielkamp von iRights.info zu vielen Fragen rund um eBooks befragt. Obiges Video ist ein Ausschnitt daraus. Das vollständige Gespräch gibt es hier. [...]