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Ungehemmt dank Hemingwrite: Kindle-Schreibmaschine erfolgreich via Kickstarter gelauncht

Die Kindle-Schreibmaschine kommt! „Wir sind überzeugt, es gibt einen Markt für Hemingwrite“, bloggten Adam Leeb und Patrick Paul erst vor wenigen Wochen. Da hatten der Designer und der Software-Entwickler mit ihrem Konzept eines ablenkungsfreien, mobilen E-Ink-Schreibcomputers gerade mächtig Medienecho und viele Pageviews auf hemingwrite.com erzeugt (E-Book-News berichtete). Gestern folgte dann ein fulminanter Kickstarter-Launch: bereits am ersten Tag trug die Crowd mit 113.000 Dollar fast die Hälfte der Mindestsumme von einer Viertel Million zusammen, heute werden wohl bereits 100 Prozent erreicht. [Update 12.12.: Nach knapp 48 Stunden wurden 255.000 Dollar gesammelt]

Mit dem puristischen High-Tech-Revival der Reiseschreibmaschine scheinen die beiden Startup-Unternehmer aus Detroit den Nerv der Zeit getroffen zu haben: „4 pound distraction elimination system“ nannte etwa The Verge die Black Box made in Michigan. Tja, die Creative Class leidet mittlerweile unter der Multifunktionalität des Geräteparks, der das mobile Leben zwischen Home-Office, Starbucks und Großraumbüro erst möglich gemacht hat. Ein anderes Problem ist wohl die Ergonomie: viele vermissen unterwegs eine komfortable, große Tastatur. Auch hier bietet die Hemingway, die aussieht, als hätte man ein Kindle quer in eine Schreibmaschine eingespannt, eine perfekte Lösung.

Vielleicht sind Netbooks, Phablets und Smartphones aber auch einfach zu unauffällig und alltäglich, um damit unte Style-Aspekten noch zu punkten: wer wie im Pitch-Video die 2 Kilo schwere, schwarz ummantelte Hemingwrite am ausklappbaren Handgriff ins Café schleppt, braucht sich um die Aufmerksamkeit seiner Umgebung keine Sorgen mehr zu machen. Das alleine dürfte den urbanben Hipstern Investition von mindestens 400 Dollar wert sein.

Wer wirklich unter dem Writer’s Block leidet, könnte aber tatsächlich von diesem Retro-Gadget profitieren, nicht mal Copy & Paste wird unterstützt, im Zentrum steht das Schreiben. Tipp, tipp, tipp. Unter der Haube ist dieser späte Nachfahre von Hermes Baby & Co. dann trotzdem vollkommen up-to-date ist, denn die Texte werden via WLAN in die Rechnerwolke geschickt und lassen sich mit DropBox, Evernote oder Google Docs archivieren. Auf Wunsch wird über einen analogen Absendeknopf auch gleich ein druckfertiges PDF gemailt.

Lieferbar wird die Hemingwrite jedoch erst ab Herbst 2015 sein. Bis dahin müssen sich Kreative diesseits und jenseits des großen Teichs anderweitig behelfen, entweder mit einer klassischen Speicherschreibmaschine vom Flohmarkt oder zeitgemäßeren Zwischenlösungen, etwa der Kombination eines E-Ink-Android-Tablets plus Bluetooth-Tastatur. Letzteres dürfte wohl mittelfristig die günstigste und zugleich tragbarste Lösung darstellen. Wenn auch nicht ganz so ablenkungsfrei.

Hemingwrite Specs:

  • Akkulaufzeit: 4 -6 Wochen
  • interner Speicher: 1 Million Seiten 
  • Tastatur: Full-size mech. Cherry MX, US ANSI/ISO International
  • Display: 6 Zoll E-Ink
  • Gehäuse: Aluminium
  • Gewicht: ca. 1,8 Kilogramm
  • Größe: 20 x 25 x 6 Zentimeter (Tiefe x Breite x Höhe)
  • lieferbar ab: September 2015

Abb.: Screenshot Kickstarter

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".