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Unerhörte E-Singles: Verlags-Startup „Das Beben“ bringt die Novelle auf den E-Reader

23 Aug 2013

Seitdem Amazon ankündigte, Kindle Singles auch in Deutschland zu starten, scheint ein Ruck durch die Branche zu gehen: digitale Kurzstreckentexte sind plötzlich mächtig en vogue. Zu den publizistischen Nachbeben gehört auch das Berliner Verlags-Startup „Das Beben“. Das Gemeinschaftsprojekt von Autoren, Buchhändlern, Übersetzern und Journalisten will ab September einer ganz speziellen Kurzform neues, elektronisches Leben einhauchen: der Novelle. Die dreht sich Goethe zufolge um eine „sich ereignete unerhörte Begebenheit“ – wie etwa im Fall von Kleists klassischem „Single-Narrativ“ mit dem Titel „Das Erdbeben in Chili“. Womit auch die Namenswahl des neuen Verlags geklärt wäre…

Die unerhörte Begebenheit als USP

„Die Novelle, die ‚unerhörte Begebenheit‘, die sich theoretisch auf einen Rutsch lesen lässt, passt einfach perfekt in den modernen Lesealltag“, findet Simon Weinert, Mitgründer des neuen Verlags und zugleich Mitinhaber der Buchhandlung „Otherland“ in Kreuzberg. Doch was sind im 21. Jahrhundert eigentlich noch passende Plots, welche unerhörte Begebenheit eignet sich als Unique Selling Proposition, mal abgesehen von Naturkatastrophen, verbotener Liebe oder Lynchmorden, die wohl noch genauso gut funktionieren wie zu Zeiten von Kleists „Erdbeben“? Das zeigt ein Blick ins Startprogramm: Im Fall von Eva Strassers „Mary“ ist die UB der Drogentod einer mopsbesitzenden Lehramtsstudentin in der Berliner Partyzene, bei Frank Dukowskis Novelle „Vor dem Pilzgericht“ kann man die UB fast schon am Titel erraten – zu den Zutaten der Story gehören auf jeden Fall Familiendrama, Naturmystik, Psychohorror und eine Prise Krimi.

USP Nr. 2: „Wir verzichten auf DRM“

„Wir sind inhaltlich nicht festgelegt“, so Karla Schmidt, Mitbegründerin des Verlags und selbst Thrillerautorin. „Uns geht es um formal bewusste, ungewöhnliche Texte, die intelligent unterhalten wollen. Als Kleinverlag im E-Book-Sektor können wir mit kalkulierbarem Risiko Bücher machen, die viele Leserinnen und Leser begeistern werden – aber nicht alle.“ Ausserdem kann man als kleines Label natürlich auch andere Marketing-Entscheidungen treffen als große Verlage. „Um unseren Lesern das Leben (und Lesen) nicht unnötig schwer zu machen, verzichten wir deshalb auf DRM-Kopierschutz“, verspricht „Das Beben“. Man kann die E-Books also problemlos auf allen verfügbaren Mobilgeräten lesen – als Formate werden Epub, Mobi und PDF angeboten.

Hinweis: Wer das Beben-Team und seine AutorInnen kennenlernen möchte, kann das übrigens am 1.9. ab 19 Uhr in der Neuköllner Kult-Kneipe „Laidak“ tun. Frank Dukowski, Georg Kammerer und Eva Strasser lesen dort aus ihren Neuerscheinungen vor. Es gibt ein veganes Büffet, der Eintritt ist frei. Weitere Infos findet man auf der Facebook-Seite des Verlags.

Abb.: Screenshot