Und Steve Ballmer hat doch recht: PC laut BITKOM-Studie wichtigstes E-Lesegerät

Und Steve Ballmer hat doch recht – das wichtigste Lesegerät ist immer noch der (Windows-)PC. Eine aktuelle Bitkom-Studie im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse scheint das erneut zu belegen: Desktop, Laptop oder Netbook werden von drei Viertel der E-Book-Leser als genutztes Gerät genannt. Knapp die Hälfte schmökert via Smartphone, während Tablet und E-Reader bei knapp 20 Prozent liegen. Doch ganz so weit her ist es mit der angeblichen PC-Dominanz dann doch nicht – zum einen, weil damit wohl vor allem Fachbücher im PDF-Format gelesen werden. Einen anderen Grund nennt der Hightech-Branchenverband selbst: drei Viertel der „Computer-Leser“ übertragen ihre E-Books via PC auf mindestens ein weiteres Gerät. Kollege Rechner fungiert also also vor allem als zentraler Verschiebebahnhof für elektronischen Content, unterstützt durch Verwaltungssoftware wie Calibre.

Kein Wunder, dass Smartphones unter den alternativen Lesegeräten dann ganz vorne liegen – schließlich nutzt ja auch schon über die Hälfte der Deutschen die multifunktionalen Touch-Screen-Gadgets. BITKOM zufolge dürften jedoch Tablets in der Beliebtheit der Lesegeräte bald gleichziehen, alleine im Jahr 2013 werden hierzulande voraussichtlich 8 Millionen Stück verkauft, gegenüber „nur“ 800.000 E-Readern. Die schnell wachsende Zahl an potentiellen Lesegeräten erzeugt offenbar auch deutlich mehr Akzeptanz für das E-Book: der Anteil von E-Book-Nutzern unter der lesenden Bevölkerung soll mittlerweile schon bei 29 Prozent liegen. Selbst 27 Prozent der E-Book-Skeptiker können sich der BITKOM-Studie zufolge vorstellen, „in Zukunft digitale Bücher zu lesen“.

Als deutlichsten Beleg für das Erreichen des Massenmarkts darf man wohl demographische Details zu Alter und Geschlecht werten – Unterschiede bei der E-Lese-Präferenz zwischen Männern und Frauen sind kaum noch feststellbar, genausowenig zwischen den Generationen, wenn man sich die 14- bis 49jährigen anschaut. Geringere E-Lese-Aktivität der über 50-Jährigen, vor allem aber der über 65-Jährige begründet die BITKOM-Studie mit der „deutlich geringeren Internetnutzung dieser Altersklasse“. Irgendwie muss man ja auch an die E-Books herankommen – und für zwei Drittel der Leser führt der Weg immer noch über die Web-Portale von Amazon, Thalia oder Weltbild. Bisher shoppt dagegen nur ein Fünftel E-Books in den vorinstallierten E-Stores auf Kindle, Tolino & Co. Doch auch Direktmarkting kann sich lohnen – 8 Prozent kaufen Lektüre direkt beim Autor, 6 Prozent auf Verlagsportalen.

Muss man E-Books aber überhaupt en detail kaufen wie früher das Buch im Laden? Immer mehr Nutzer würden diese Frage verneinen: „Neben dem Kauf etablieren sich alternative Nutzungsformen für elektronische Bücher“, so BITKOM-Vizepräsident Achim Berg. 17 Prozent der Anwender versorgen sich via Onleihe in öffentlichen Bibliotheken, 15 Prozent nutzen kommerzielle Verleihmöglichkeiten wie etwa die Skoobe-App. Ebenso hoch im Kurs stehen kostenlose Downloads von Klassikern, etwa über das Project Gutenberg. Kommen am Ende vielleicht auch noch Piraten ins Spiel? Die leichte Verfügbarkeit von E-Books gilt jedenfalls als das wichtigste Argument für den Gebrauch. Außerdem weiß BITKOM: „Insgesamt nutzen 49 Prozent der E-Book-Leser Alternativen zum Kauf einzelner Dateien.“

Abb.: BITKOM-Grafik

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

2 Gedanken zu „Und Steve Ballmer hat doch recht: PC laut BITKOM-Studie wichtigstes E-Lesegerät“

  1. Steve Balmer hat nicht oft Recht aber wenn er dann mal Recht hat – dann richtig.

    Da scheinen die Ebook Käufer aber recht sparsam zu sein. Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Leute ihre E-Books am Rechner lesen.

Kommentare sind geschlossen.