Nette Bomben, böse Staubsauger: Unboxing Terry Jones „Evil Machines“

Heute lag in meinem Briefkasten ein Exemplar von Terry Jones‘ „Evil Machines“. Parallel zur Print-Fassung kann man die Short-Stories über höfliche Bomben, böse Staubsauger & sonstige merkwürdige Geräte auch als E-Book-Version lesen. Interessanter als das Produkt selbst ist aber in diesem Fall der Produktionsprozess: Der neue Erzählband des prominenten Ex-Monty-Python ist nämlich über die britische Crowdfunding-Plattform Unbound vorfinanziert worden – tausende Subskribenten trugen in wenigen Wochen mehr als 30.000 Pfund zusammen. Unbound versteht sich als Alternative zu bisherigen Verlagen: ob ein Buch erscheint oder nicht, entscheiden die Leser. Bei Terry Jones klappte das Pre-Order-Prinzip zum ersten Mal, inzwischen sind über die Plattform ein halbes Dutzend Bücher „gecrowdfunded“ worden.

3000 Subskribenten auf der Spur

Bei Krimis schlage ich als erstes sofort die letzte Seite auf, bei Terry Jones „Evil Machines“ dagegen war es der Anhang. Dort sind nämlich die mehr als 3000 Subskribenten verzeichnet, deren Vorbestellungen das Erscheinen erst ermöglicht haben. Tatsächlich, mein Name steht auch in der Liste. Besonders teuer war es nicht, in diese Tabula gratulatoria zu geraten. Für 20 Pfund (umgerechnet 23 Euro) konnte man Print- und E-Book vorbestellen. Das E-Book alleine gab’s für zehn Euro, wollte man ein signiertes Printbuch haben, musste man 50 Pfund auf den Tisch legen. Weitere Belohnungen vom Goodie Bag bis zum Launch Lunch warteten auf edle Spender, die hohe zwei- bis dreistellige Beträge beisteuerten. Das Ergebnis unterscheidet sich nicht von einem gut gemachten klassischen Verlagsprodukt – professioneller Satz, stabile Bindung, Lesebändchen und grafisch schön gestaltete Cover-Innenseiten. Ein Verlag ist Unbound letztlich auch, allerdings einer, der sich auf ungebundene, sprich Independent-Autoren spezialisiert hat. Besonders verlockend klingt gerade für deutsche Schriftsteller die Tantiemen-Regelung – die Spendensumme wird fifty-fifty geteilt.

Vom Projekt zum Buch in sechs Monaten

Doch auch die Publikationsgeschwindigkeit bei Unbound dürfte im Verlagsgewerbe ihresgleichen suchen. Die Crowdfunding-Phase von „Evil Machines“ lief von Mai bis Juli, kaum vier Monate später liegt das Buch jetzt in den Regalen. Gefördert wird in vielen Fällen gar nicht das fertige Buch – die Spendensumme soll die Fertigstellung des Manuskripts erlauben. Terry Jones ist dabei sogar etwas eher ans Ziel gelangt als geplant, denn als Deadline galt eigentlich das Jahresende. Über exklusive Projektupdates und Probekapitel wurde die Crowdfunding-Community derweil auf dem Laufenden gehalten, dazu kamen Videos und Hörproben. Ähnlich wie prominente Autoren, die ihre Bücher über Self-Publishing-Programme von Amazon & Co verlegen, kann natürlich auch Terry Jones bei solchen Solo-Aktionen von einer großen Fan-Community profitieren, alleine die Zahl seiner Twitter-Follower beträgt mehr als Fünfzigtausend. Doch Unbound scheint sich auch für Newcomer-Autorinnnen zu lohnen, die noch niemand kennt. Mit „Unbelievable“ von Jennifer Pickup kommt bei Unbound demnächst der Debüt-Roman einer 29jährigen Englisch-Lehrerin heraus, der auf Twitter gerade mal 128 Menschen folgen.

Terry Jones „Evil Machines“ Specs


Display

9 Zoll Analog-Ink monochrom, zweispaltig

Gewicht

240 Gramm

Schnittstellen

Vorsicht: Man kann sich an jeder Seite schneiden!

Interner Speicher

ca. 500.000 Zeichen

Text-Font

Perpetua 11 / 13,5 Punkt

Weitere Features

Lesebändchen, alphabetisches Subskribenten-Verzeichnis

Preis

20 Pfund (Unbound)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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