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Umsätze mit E-Ink sinken: Ist das Tablet doch ein E-Reader-Killer?

30 Apr 2012 1 Kommentar

Video killed the Radio, CD essen Vinyl auf, etc.: Die endlose Litanei vom unausweichlichen Aussterben des jeweils älteren Mediums könnte nun eine Fortsetzung bekommen: Tablet tötet E-Reader. Für den TechBlog FastCompany jedenfalls scheint festzustehen: „Das Zeitalter des E-Readers als Must-Have-Gerät neigt sich dem Ende zu“ („the era of the e-reader as a must-have device is drawing to a close“). Grund für diese düstere Prognose bietet ein deutlicher Umsatzeinbruch bei E-Ink-Holdings, dem weltweit größten Hersteller für elektronisches Papier. Zum erstem Mal seit drei Jahren gab es nämlich in den ersten drei Monaten von 2012 ein negatives Quartalsergebnis, und dann gleich noch minus 63 Prozent.

Fire vs. Kindle: Amazon macht sich selbst Konkurrenz

Das Unternehmen hat dafür auch eine plausible Erklärung parat: “Unser wichtigster Kunde war zu optimistisch, was die Verkaufszahlen im vierten Quartal des letzten Jahres betraf, und hat zu viele Displays bestellt“, erklärte E-Ink-Chef Scott Liu gegenüber der Presse. Was nicht ohne Folgen geblieben sei: “Deswegen hat dieser Kunde im ersten Quartal 2012 fast gar nichts bei uns bestellt.“ Der größte Kunde besitzt natürlich auch einen Namen: Amazon. Somit hat auch der E-Ink-Killer – oder besser gesagt, Kindle-Killer – einen Namen: Kindle Fire. Gerade im Weihnachtsgeschäft hatte sich Amazons neues Android-Tablet als echter Renner erwiesen. Mittlerweile ist jedes zweite Android-Tablet ein Kindle Fire. Die klassische Reader-Palette vom Kindle Keyboard bis zum Kindle Touch hatte dagegen das Nachsehen.

Retina-Display als direkter E-Ink-Konkurrent?

Konkurrenz bekommt E-Ink jedoch auch von ganz anderer Seite – das neue iPad der dritten Generation hat schließlich von Apple ein hochauflösendes Display spendiert bekommen, das die Lektüre von E-Books oder elektronischen Zeitschriften deutlich angenehmer macht. Google plant zudem ein eigenes Tablet. Und überhaupt sind die Preise für Touch-Screen-Geräte mit LCD-Display im Sinkflug. Allerdings gibt FastCompany zu bedenken: „Der E-Reader wird natürlich nicht über Nacht verschwinden, die Absatzkurve wird noch für ein paar Jahre ansteigen. Doch er wurde vom raketenhaften Aufstieg des Tablet-PCs abgehängt.“ Bei E-Ink Holdings ist trotzdem kein Pessimismus angesagt: „Unser wichtigster Kunde [lies: Amazon] wird wohl im Sommer/Herbst wie üblich eine neue Produktlinie vorstellen“, so Scott Liu. „Das dürfte einerseits viele Verbraucher dazu animieren, auf die nächste Generation umzusteigen, andererseits auch viele Kunden neu hinzugewinnen.“

„GlowLight“-Effekt macht E-Ink attraktiver

Bei der neuen Produktlinie handelt es sich höchstwahrscheinlich um einen Kindle-Reader mit leuchtendem E-Ink-Display. Ein vergleichbares Gerät hat Amazons Konkurrent Barnes&Noble gerade mit der „GlowLight“-Version des Nook Simple Touch herausgebracht. Der Leuchteffekt wetzt eine wichtige Scharte gegenüber den Tablets aus – gelesen werden kann nun nicht nur bei Sonnenlicht, sondern auch im Dunkeln, ohne künstliche Beleuchtung. Die Unterschiede zwischen Tablets und E-Readern werden somit auch aus Richtung E-Ink eingeebnet – und klassische Lesegeräte bleiben attraktiv. Die von Marktforschern bisher beobachtete „friedliche Koexistenz“ zwischen E-Ink und LCD könnte also durchaus noch eine Weile weitergehen.

Abb.: Flickr/Mike Licht, NotionsCapital.com

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