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Überraschung für die Leser*innen: ARD-Videotext bringt testweise das Gendersternchen auf die Bildschirme

8 Jun 2018

bildschirmtext-gendersternchenWird das offizielle Deutsch bald gendergerechter? Heute diskutiert der Rat für deutsche Rechtschreibung das Thema „geschlechtergerechte Sprache“ — u.a. die Möglichkeit, mit Binnensternchen etwa bei Berufsbezeichnungen auch Frauen stärker sichtbar zu machen, und zugleich auf trans-, inter- und weitere Genderidentitäten zu verweisen. Kommt am Ende dabei eine Empfehlung an die Dudenredaktion heraus? Dann könnten in der amtlichen Sprache aus Forschern zum Beispiel Forscher*innen, aus Politikern Politiker*innen und aus Zeitungslesern Zeitungsleser*innen werden.

Wie sich das anfühlt, will anlässlich der Ratssitzung die ARD testweise auf alle bundesdeutschen Bildschirme projizieren — im ARD-Videotext (online unter www.ard-text.de) wird nämlich aus aktuellem Anlass den ganzen 8. Juni über „wo immer möglich“ das Gendersternchen eingesetzt. Ein paar Sternchen habe ich gerade schon entdeckt: auf Tafel 133 ist von „Ökonom*innen“ die Rede, auf Tafel 141 von Ermittler*innen, auf Tafel 142 von Metereolog*innen.

Der erste Eindruck: Ja, es macht Sinn, denn „mitgemeint“ ist tatsächlich etwas anderes als explizit erwähnt. Schon ein paar Textproben machen bewusst, wieviel Diversität in der nicht-gendersensiblen Normalsprache Tag für Tag verschwiegen wird, oder besser gesagt zum Verschwinden gebracht wird, denn in der außersprachlichen Wirklichkeit existieren all diese Menschen ja schließlich.

Das Sternchen empfinde ich bei der Lektüre am Bildschirm gar nicht so störend, es wirkt viel eher als eine Art Hingucker, so werden schnell all die Textstellen sichtbar, an denen bisher die realen Geschlechterverhältnisse unter den Teppich gekehrt wurden. Gehört das Gendersternchen zum Alltag, verschwindet der Überraschungsfffekt natürlich bald wieder durch Gewöhnung, aber das ist ja nicht schlimm, eher im Gegenteil: Das vielgehörte Argument „Binnen-I, Binnen-X, Binnen-* etc. behindert den Lesefluss“ stimmt insofern nämlich nicht.