txtr bringt 10 Euro-Reader Beagle nach Deutschland – für 70 Euro

Um „Vaporware“ handelt es sich beim „Beagle“ offenbar nicht – denn txtr zufolge steht der Marktstart des „kleinsten Readers der Welt“ kurz bevor. Doch der Preis ist heiß: das im letzten Jahr mit viel Tamtam als „10 Euro“-Reader angepriesene Lowest-Cost-Gerät kommt in den USA für 69 Dollar in den Handel. „Auf vielfachen Wunsch machen wir den Reader einer ausgewählten Gruppe von Lesern zugänglich, die ihn jetzt kaufen möchten“, bestätigte txtr jetzt gegenüber The Digital Reader. In Deutschland soll der Beagle laut Buchreport für 69 Euro in den Handel gelangen – und zwar schon im April.

Beagle eigentlich als Bundling-Angebot geplant

Der Grund für das recht hoch gehängte Preisschild ist simpel: eigentlich war der 128 Gramm leichte Fünfzoller als Bundling-Angebot für Telekommunikations-Unternehmen gedacht, die Smartphone-Kunden einen Mehrwert bieten möchten. Doch trotz „Fortschritten wie geplant“ sind die Verhandlungen mit den Telkos in den USA offenbar noch nicht zum Abschluss gelangt. In Deutschland dürfte es nach dem Start des Tolino Shine erst recht schwierig werden, denn mit der Telekom setzt der ausgerechnet der größte Netzanbieter auf den Kindle-ähnlichen Glowlight-Reader.

„Hübsch für 20 Dollar, grässlich für 70 Dollar“

Technisch fällt txtrs Low-Cost-Projekt dagegen mächtig ab – statt Akkus gibt’s Batterien, statt WiFi oder USB nur Bluetooth, die schwachbrüstige CPU erlaubt lediglich die Darstellung von Seiten-Abbildern, die zuvor auf dem Smartphone aus den eigentlichen E-Book-Dateien generiert werden. Mehr als ein Begleiter, der mit dem Smartphone Gassi geht, möchte der Beagle also offenbar gar nicht sein. Doch alles hat seinen Preis. Zu Recht schreibt das Wired Magazin: „Der txtr Beagle ist ein hübscher 20-Dollar-Reader, aber ein grässlicher 70-Dollar-Reader“.

Clevere E-Ink-Accessoires für Smartphones gibt’s schon

Umso schlimmer für txtr, denn schon der Versuch, einen selbst entwickelten High-End-Reader auf den Markt zu bringen, scheiterte 2010 spektakulär, und ließ viele frustrierte Kunden zurück. Schuld war unter anderem der iPad-Schock: Der mit 300 Euro bepreiste „txtr Reader“ war nach dem Start von Apples Tablet chancenlos. Seit dem setzte das Berliner Startup auf plattformunabhängige Konzepte, vom Webstore bis zu E-Reading-Apps für Mobilgeräte. Sieht ganz so aus, als würde der Massenmarkt mit dem Beagle auch diesmal verpasst werden. Daran dürfte nicht nur der Tolino schuld sein – denn neben günstigen Standalone-Readern drängen auch spezielle E-Ink-Accessoires für Smartphones auf den Markt, etwa das popSlate-Case.

Abb.: txtr.com

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".