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Trotz alledem: E-Book-Single zur Geschichte des politischen Liedes – jetzt gratis online lesen

21 Jan 2013 Ansgar Warner 1 Kommentar

“Ein garstig Lied, ein politisch Lied”? Von wegen: Arbeiterlieder waren die Protestsongs des 19. & frühen 20. Jahrhunderts, und wurden von Millionen Menschen intoniert. Doch wer weiß heute schon noch, dass ein populärer Slogan wie “Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will” aus dem von Georg Herwegh geschriebenen “Bundeslied” stammt, und zur Melodie “Schleswig Holstein meerumschlungen” gesungen wurde? Oder dass Udo Jürgens Schlager “Lieb Vaterland, wofür soll ich dir danken?” nicht nur die Kontrafaktur der “Wacht am Rhein” ist, sondern damit auch in einer Traditionslinie der sozialistischen “alternative culture” steht? „Trotz alledem“ macht sich auf die Spuren des politischen Lieds in Deutschland – vom Klassiker “Die Gedanken sind frei” bis zum Rap “Wir sind nicht die Roboter der Deutschland-AG”. Tipp: Bis zum 1. März 2013 kann man “Trotz alledem” auf politisches-lied.net kostenlos online lesen (PDF/HTML).

Aus AgitProp wurde AgitPop

Das titelgebende Lied „Trotz alledem“ hat selbst so manches Comeback & Remake erlebt. Das erste schon in der 1848er-Revolution, später in der „trotz SPD und alledem“ nicht ganz so coolen Post-1968er-Periode brachte es dann Hannes Wader wieder aufs Tapet. Trotz solcher Ausnahmen gerieten nach 1945 viele Lieder und Melodien in Vergessenheit. Dafür kamen neue dazu, die Hymne der Ostermarschierer („Unser Marsch ist eine gute Sache“) ebenso wie die Hits von Ton, Steine, Scherben. Aus dem AgitProp der Zwanziger Jahre wurde nun plötzlich AgitPop. Und so mancher Liedermacher zum linken Popstar. Gesungen wurde dabei immer weniger, dafür mitgeklatscht. Denn spätestens seit der Beat-Generation führten auch viele politische Lieder ein Doppelleben als Aktionform und Konsumgut. Eigentlich hatte bereits die Berliner Kabaretttruppe „Die Nachrichter“ den Nagel auf den Kopf getroffen. “Wenn man gut singen kann, singt man ein Lied. Wenn man nicht so gut singen kann, singt man einen Chanson. Wenn man aber gar nicht singen kann, singt man einen Song”, proklamierte die Truppe im Jahr 1932. Und präsentierte solchermaßen den “Song von den brennenden Zeitfragen”. Auf Schallplatte gepresst, fand er ein Millionenpublikum. Sozusagen trotz alledem. Denn die brennenden Zeitfragen kamen darin gar nicht vor.


Ansgar Warner:
Trotz alledem.
Kleine Geschichte des politischen Liedes in Deutschland

(1789 bis 2000)
Multiformat (epub, PDF, Kindle) 2,99 Euro
Taschenbuch (Amazon) 3,99 Euro

Abb. & Coverillustration unter Verwendung einer Grafik von leednichenkolga/flickr (cc-by-2.0)

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