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Trekstor sitzt in der elektronischen Tinte: E-Ink Corp. erhebt Patentrechts-Klage

Patentrechts-Klagen und gerichtlich angeordnete Verkaufsstops kannte man bisher vor allem aus dem Smartphone- und Tablet-Bereich, etwa im Fall Apple vs. Samsung. Diesmal könnte es mit Trekstor erstmals einen E-Reader-Hersteller erwischen – und das zumal in Good Old Germany. Das hessische Unternehmen Trekstor setzt bei seinen Low-Cost-Lesegeräten der Pyrus-Modellreihe auf elektronische Tinte – allerdings nicht auf echtes „E-Ink“ vom gleichnamigen Hersteller E-Ink Corporation. Stattdessen ist auf den Verpackungen von „Digital Ink“ die Rede. Woher genau die Display-Technologie stammte, war bisher nicht bekannt. Dank der gerade von E-Ink Corp beim Landgericht Mannheim eingereichten Klage sind wir etwas schlauer: die Displays wurden offenbar vom chinesischen Hersteller Guangzhou OED Technologies Co. produziert.

Mit Hilfe von OED bekam Trekstor den Zugang zu qualitativ hochwertigen Displays, ohne diese teuer beim Marktführer E-Ink einkaufen zu müssen. Die Pyrus-Modelle aus Lorsch ermöglichten es Anbietern von Weltbild („eBook Reader 4“) über Thalia („4 Ink“) bis zur Börsenvereins-Tochter MVB („Liro Ink“), Amazon & Co. mit Preisbrechern deutlich unter 100 Euro die Stirn zu bieten. Doch das könnte sich jetzt als Pyrrhus-Sieg erweisen – denn E-Ink Corp zufolge wurden die „Digital Ink“-Displays von OED nicht selbständig entwickelt. So sollen u.a. zwei europäische Patente zu „Mikrokapsel-Tinte“ wie auch zu „elektrophoretischen Displays“ verletzt worden sein. Ziel der Patentrechts-Klage ist es, neben einer finanziellen Entschädigung auch einen Verkaufsstopp zu erreichen.

Das Weihnachtsgeschäft dürfte jedoch nicht bedroht zu sein – denn schließlich geht es um eine normale Klage, keine einstweilige Verfügung. Ein Urteil in erster Instanz wird also frühestens im Jahr 2013 zu erwarten sein. Trekstor selbst scheint sich zudem sicher zu sein, dass keine Patente verletzt wurden, und sieht laut buchreport dem Prozess gelassen entgegen. Nicht ganz so locker sehen es allerdings die Reseller: so garantiert etwa die Börsenvereins-Tochter MVB ihren Buchhandels-Partnern bereits jetzt ein Rückgaberecht für alle ausgelieferten Liro-Ink-Lesegeräte. Für Endkunden, die bereits Pyrus-Varianten erworben haben, ist das Risiko dagegen gleich Null – denn anders als E-Books (siehe Amazons Löschungsaktionen) sind E-Reader zum Glück physische, nicht rückholbare Produkte.

Abb.: Screenshot

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".